Osprey Games – Warriors of Athena Quests
Willkommen zum zweiten Teil des Warriors of Athena Reviews. Nachdem wir das letzte Mal das Warriors of Athena Heroes Buch unter die Lupe genommen haben, fokussieren wir uns dieses mal explizit um die Erweiterung „Quests“.
Worum geht es?
Wie der Name selbst bereits verrät, liegt der Fokus dieses Buches vor allem auf der Entwicklung der Narrative des Settings für Warriors of Athena. Während wir im ersten Buch das Augenmerk auf die von uns gespielten Helden gelegt haben, beleuchtet das vorliegende Buch eher die Reise der Helden. Dies geschieht in Form von Minikampagnen, die in drei Teilen kategorisiert werden. Darauf gehe ich weiter unten noch etwas genauer ein.
Zu erwähnen ist, dass dieses Buch nicht ohne das Grundbuch Heroes funktioniert. Die Spielregeln zu Warriors of Athena sind hier nicht enthalten, was diesem Buch den reinen Touch einer Erweiterung verleiht.
Ersteindruck
Wie auch Warriors of Athena Heroes, ist die Gestaltung des Buches auf sehr schönem Niveau, zeigt aber auch die gleichen Schwächen. Wieder fiel mir das wellige Papier direkt auf sowie ein Versatz in der ersten Bindung im Buch. Aus der Drucktechnischen Perspektive ging stellte sich mir hier die Frage, ob einige Entscheidungen evtl. nicht zu Gunsten der Produktionskosten getroffen wurden. Eine Bindung am Rücken ist eigentlich eine teure Verarbeitungsmethode und deutlich wertiger als z.B. ein Buch, dass durch eine Leimung gebunden wird. Der Einband wiederrum ist aus Hochglanzpapier, wo ein mattes Finish das Buch etwas langlebiger gemacht hätte.
Die Artworks von Hazem Ameen brauche ich glaube ich nicht weiter hervorzuheben. Seine Arbeit kann mittlerweile auch auf seinem Instagram Account bewundert werden, wo besonders die im Buch doppelseitigen Bilder nun auch in digitaler Pracht bewundert werden können.
Wie spielt sich Warriors of Athena Quests?
Anders als bei Heroes bildet Quests keine Regeln für das Spielen an sich, sondern szenariobedingte Sonderregeln ab, wie den Aufbau des Spielfeldes, eine Auswahl der Antagonisten, die verwendet werden, sowie ein umfangreiches Bestiarium, im hinteren Teil des Buches. Beim Spiel wird nach Quest, Szenario, und Szene unterschieden.
Eine Quest ist, grob zusammengefasst, eine Verkettung von Szenarien und/oder Szenen. Sie gibt den generellen Handlungsbogen vor und lässt sich wie eine Minikampagne betrachten. Was es in dieser Quest alles zu tun gibt, wird zu Beginn in einer kleinen Zusammenfassung erläutert.
Das Szenario wiederrum stellt einen Schritt innerhalb der Quests dar, der auf dem Tabletopfeld ausgetragen wird. Dies ist hervorzukehren, denn im Gegensatz zum Szenario steht die Szene, welche eine Handlung oder Situation darstellt, die nicht mithilfe der Miniaturen abgehandelt wird. Zwar können die Profilwerte zum Tragen kommen, doch ist dies der rollenspiellastigere Teil von Warriors of Athena Quests. In Szenen werden Situationen behandelt die beispielsweise vor, zwischen oder nach Szenarien stattfinden. So könnte Ihr beispielsweise zu Beginn der Quests am Hofe eines Königs eine Mission erhalten, von der Ihr den Eindruck habt, dass Euch dieser bewusst eine nicht zu bewältigende Aufgabe erteilt. Ein verstohlener Blick eines Priesters lässt Euch diesen im Nebenraum aufsuchen und der Spielleiter (das Orakel), ermöglicht es Euch einen Diplomatietest abzulegen, um durch ein Gespräch Vorteile zu erhalten, die im folgenden Szenario schließlich greifen.
Wie intensiv das Pen and Paper Element genutzt wird, ist schließlich vom Orakel selbst abhängig. Wenn der Spielleiter das Gefühl hat, er muss während eines Szenarios eingreifen, so kann er auch das tun, ohne dabei zwingend auf eine vorgedachte Szene zurückgreifen zu müssen.
Nach jedem Szenario, jeder Szene oder zum Ende der Quest, erhalten die Spieler schließlich Belohnungen, die in Form von Erfahrung oder besonderen Gegenständen zu finden sind. Der Epilog genannte Teil erklärt daraufhin, wie es weitergeht, wenn die Helden bei ihrer Aufgabe Erfolg hatten (oder dieser ausblieb).
Wie geht es weiter?
Im Buch selbst werden vier Quests angeboten, wobei der Schwierigkeitsgrad zunehmend steigt. Die erste Quest richtet sich an Neueinsteiger, die das Spiel noch kennenlernen. Hier geht es darum drei Zyklopen ihrer gerechten Strafe zuzuführen, die ihren Vater erschlagen und olympischen Bienenhonig für sich allein beansprucht haben.
Die zweite Quest schickt Euch auf eine Rettungsmission, in der es eine Okeanide aus den Klauen eines Kultes zu befreien. Während das erste Abenteuer mit zwei Szenarien aufwartet, verlangt Euch dieses Folgeabenteuer etwas mehr Resourcenmanagement ab, da ihr diesmal drei Szenarien nacheinander spielt.
Quest Nummer 3 beginnt in einem zerstörten Tempel der Athena und schickt Euch auf ein in vier Szeanarios aufgeteiltes Abenteuer gegen eine Vielzahl an Zentauren und Satyrn. Falls Ihr diese Quest buchtreu nachspielen wollt, werdet Ihr wenigstens sieben der Vierbeiner und wenigstens elf Satyrn benötigen, sechs davon mit Bögen bewaffnet. Weiterhin werdet Ihr das erste Mal ein Szenario mit mehreren Szenen spielen, was zukünftigen Spielleitern als eine gute Übung dienen sollte. Ach ja…ganz nebenbei ist es in diesem Szenario auch das erste Mal möglich einem Gott auf dem Schlachtfeld zu begegnen.
Die letzte angebotene Quest ist die bei weitem schwierigste und sollte erst gespielt werden, wenn die Helden bereits über ausreichend Erfahrung verfügen, da man sich hier in fünf Szenarien einer Vielzahl verschiedener Monstren stellt, von Untoten, Minotauren, bis hin zu feuerspeienden Drachen. Storytechnisch nimmt das Übel dabei seinen Lauf, als die Frau des Königs von Aktrea verstirbt und dieser die Götter daraufhin ablehnt. Insbesondere Hades nimmt daran Anstoß und holt zu Vergeltungsschlag aus.
Für alle die nun noch nicht genug Nervenkitzel hatten folgt eine zwanzigseitige Sektion über das Erstellen eigener Abenteuer. Obwohl der Teil initial etwas schmal auszufallen scheint, erhaltet Ihr hier alles was Ich an Wissen benötigt, um gute, eigene Geschichten auf den Spieltisch zu bringen. Knappe 30 Monster und einige Götter stehen Euch dabei derzeit im Bestiarium ab Seite 144 zur Auswahl, die Ihr leicht in Euer Spiel einbauen könnt. Im Profil ist zudem auch der Erfahrungswert enthalten, den Ihr im Gegenzug für das Bezwingen der Kreaturen erhalten könnt.
Fazit
Warriors of Athena Quests ist eine unterhaltsame Erweiterung für Heroes und ist dem Hauptbuch qualitativ ebenbürtig. Obwohl ich glaube, dass man Warriors of Athena auch ohne dieses Buch spielen kann (in diesem Fall dann als Spieler gegen Spieler Variante, wofür man nur das erste Buch bräuchte) bereichert Quests den ambitionierten Spieler mit einer Vielzahl narrativer Möglichkeiten. Der Preis ist der Gleiche wie bei Heroes, 25 Pfund, oder in Deutschland 29,99 Euro. Bei satten 176 Seiten in Vollfarbe ist dies eine nette Dreingabe, denn man hätte den Preis bei der gestiegenen Seitenzahl auch etwas nach oben schrauben können.
Der Inhalt verwöhnt vor allem narrative Spieler. Wer gleich eine ganze Kampagne spielen will, könnte beispielsweise alle vier angebotenen Quests miteinander verbinden, um eine größere Sage zu spielen (falls Eure Helden so lange überleben).
Auch Solospieler werden sich hier schnell zu Hause finden, wobei ihnen nicht alle Arbeit abgenommen wird – dem Bestiarium fehlt nämlich ein ganz entscheidender Eintrag: der für gewöhnliche Menschen.
Alle Monster, die Ihr auch als Spieler in Euerer Bande aufnehmen könnt, wie Satyrn oder Zentauren, verfügen über das gleiche Profil wie im Bestiarium. Menschliche Gegner abzubilden wäre also kein Problem, aber den Gegenwert als Erfahrung für das Erschlagen dieser, findet Ihr im Quests Buch nicht.
Allerdings ist McCullough nicht für seine Zurückhaltung bekannt, und ich schätze, dass diese Werte irgendwann nachgereicht werden, ob nun in Form einer PDF online, oder als Teil einer weiteren Erweiterung.
Warriors of Athena ist ein Spiel von Joseph A. McCullough und im Vertrieb von North Star Figures und Osprey Games.
Das vorgestellte Produkt wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.


















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