Osprey Games – Warriors of Athena Heroes
Frostgrave, Stargrave, Oathmark und Rangers of Shadow Deep. All diese Spiele haben eines gemeinsam: Joe McCullough. Bekannt für seinen Fokus auf narrativ getriebene Spiele wird erneut ein Spiel aus seiner Feder veröffentlicht und erneut sind die Partner bei der Veröffentlichung Osprey, für die Regelwerke, und Northstar Miniatures, für das entsprechende Spielzubehör.
Worum geht es?
Es ist eine raue, wilde Welt und die mythischen Monstren der griechischen Antike sind entfesselt. Als würde das nicht schon reichen treiben auch Banditenfürsten, abstoßende Kulte und andere bösartige Schergen ihr Unwesen. In ihrer Verzweiflung beten die Bewohner der verschiedenen Stadtstaaten zu den Göttern. Doch Sterbliche sind für diese nur Mittel zum Zweck. Ein Werkzeug der Unterhaltung oder des Vergnügens, nicht wert sich weiter darum zu kümmern. Allein Athene erhört deren Flehen und beschließt den Sterblichen zu helfen. Ihr Mittel der Wahl sind dabei die vielen unehelichen Halbgötter, die die Welt bevölkern und die Kraft in sich tragen, sich gegen das Böse aufzulehnen. Doch sie muss ihre Mission im Geheimen vorantreiben, denn die anderen Götter sehen es nicht gern, wenn man ihnen ihr Spielzeug madig macht. Und so führt sie die Helden still und unscheinbar dorthin, wo sie am meisten gebraucht werden, auf das ihre Taten zu Legenden werden.
In diesem Buch schlüpft der Spieler in die Rolle einer dieser Helden und seiner Begleiter, um sich ungeahnten Abenteuern und Herausforderungen zu stellen. Praktischerweise muss man aber nicht allein gegen die Gräuel des mystischen Hellas antreten – auch andere Spieler können als weitere Halbgötter Eurem Helden beistehen und sich an der Schlacht Gut gegen Böse, Mensch gegen Monster beteiligen.
Ersteindruck
Auf den ersten Blick wirkt das Produkt in der Planung hochwertig. Der Einband besteht aus schönem, dickem Karton, was meinen persönlichen Geschmack trifft. Allerdings ist das Material eher weich, was schnell zu Knicken führt. Bei dem mir gelieferten Probeexemplar habe ich auf Anhieb Falten und beschädigte Ecken erkannt, was ich später auch in anderen Reviews erkennen konnte. Das gesamte Buch ist vollfarbig gedruckt, wobei ich ad hoc keine Sonderfarben ausmachen konnte. Auch habe ich keine Blitzer durch Versatz der Druckbilder gefunden - allerdings ist das Papier wellig, was dafür spricht, dass es in falscher Laufrichtung bedruckt oder in eher feuchten Räumen gelagert wurde. Weiterhin fiel mir auf, dass eine der Bindungen versetzt angebracht war, was dazu führt, dass die Seiten nicht bündig miteinander abschließen.
Aus der Printperspektive also ein eigentlich schönes Produkt, dass aber sauberer hätte verarbeitet sein können. Im Vergleich zur deutschen Printpublikation mit Frostgrave wäre ein Leseband noch nett gewesen, was an dieser Stelle aber schon sehr haarspalterisch ist. Ich schätze, das ist eine alte Berufskrankheit, wenn man aus der Printindustrie kommt.
Das Layout ist in kühlem, weißem Marmor Muster gehalten. Hier kommt der persönliche Geschmack wieder zur Geltung. Mir gefällt die Optik, aber um es nicht zu klinisch wirken zu lassen, würde ich ein paar Sektionen in anderer Marmor Farbe einbringen. Das schadet dem Look nicht und macht die verschiedenen Abschnitte des Buches leserlich interessanter. Zum Beispiel könnte man die Heldenerstellung in einem eher in Sepia gehaltenen Look darstellen.
Die Grafiken im Buch sind teils in Vollfarbe, wie die Artworks und Scenic Shots, sowie in Graustufen, bei den optisch unterstützenden Bildern. Letztere wirken manchmal ein bisschen aufgesetzt und könnten besser mit der Seite verschmelzen, z.B. als größere Hintergrundgrafik, die nicht ganz so dominant im Vordergrund steht. Die Qualität der Zeichnungen ist über das gesamte Buch hinweg gut. Dazu komme ich aber noch gleich.
Die Struktur des Inhaltsverzeichnisses ist beim ersten Duchblättern ein wichtiger Faktor für den Ersteindruck. Hier kann ich sagen, dass diese einen schnellen Überblick schafft, was für eine sehr gute Aufteilung der Themenbereiche spricht und in diesem Fall gleichermaßen als Glossarium dient. Für Spieler wie mich, die nach langen Pausen immer mal wieder nachschlagen müssen, ein echter Segen! Das Buch teilt sich grob in folgende Abschnitte:
- Was man zum Spielen braucht
- Heldenerstellung und deren Fähigkeiten
- Gefährten (Companions)
- Regelmechaniken
- Abzuhandende Schritte nach dem Spiel
Die tatsächlichen Regeln sind ab Seite 62 zu finden, wobei der vorangehende Teil auf die Erstellung eines Helden und dessen Hintergrundgeschichte eingeht. Darauf werde ich in einem der kommenden Artikel ein wenig mehr eingehen, da sich diese sehr unterhaltsam gelesen und die Heldenerstellung Spaß gemacht hat.
Anschließend wird auf die benötigten Token und das Abhandeln von Schritten während einer Kampagne eingegangen, wie Verletzungen, Ermittlung von Erfahrungspunkten und der Beute.
Artworks
Wer das Buch durchblättert, wird nicht darum herumkommen den Stil der Bilder von Hazem Ameen zu bewundern. Der Artstyle ist ein bisschen leichtherziger als bei Frostgrave und erinnert stark an Comics wie The Sixth Gun oder Odyxes. Auch ist dies nicht sein erster Ausflug in die Antike, lieferte er doch bereits Artworks für das Brettspiel Minos: Dawn of the Bronzeage. Meiner Meinung nach trifft dies das Setting gut, da der entspannte Zeichenstil gut zum Mythischen und den eher lose interpretierten Sagen der Antike passt. Der dynamische Stil der Zeichnungen gefällt mir deutlich besser als z.B. in der zweiten Edition von Frostgrave, wo die Charaktere mehr oder weniger in gerade Linie von oben nach unten gezeichnet sind. In Warriors of Athena erzählen die Bilder einfach viel deutlicher eine Geschichte, was Herz und Seele des gesamten Werkes kurz und knackig zusammenfasst.
Einen kleinen Dämpfer brachten hingegen die doppelten Artworks mit sich, wie beispielsweise das vor Trauben strotzende Füllhorn, dass man auf Seite 47 und 49 sieht, und auch in Warriors of Athena Quests vorkommt.
Scenic Shots
Gleiches gilt auch für die Scenic Shots in leicht abgewandelter Form. Auf Seite 17 und 57 ist beispielsweise das gleiche Bild zu sehen, wobei auf Seite 17 der Zentaure und Satyr mit Hilfe einer Grafiksoftware hinzugefügt zu sein scheinen. Auf Seite 57 ist das Bild nur hälftig zu sehen, jedoch definitiv das gleiche Bild. Auf Seite 118 wird es noch deutlicher, wo das identische Bild von Seite 17 zu sehen ist, nur diesmal ohne Zentauren und Satyrn.
Ich bin ein großer Fan von Scenic Shots – sie fangen die Atmosphäre des Settings ein und erwecken das Narrativ zum Leben. Hier bekam ich den Eindruck, dass die Bilder größtenteils auf dem gleichen Tisch mit leicht verstelltem Gelände gemacht wurden. An sich keine große Sache, aber für ein bislang so hochwertiges Produkt, hätte ich es vorgezogen etwas zu warten, bis mehr Miniaturen für abwechslungsreichere Bilder zur Verfügung gestanden hätten.
Ein alternativer Vorschlag dazu meinerseits ist, Promomaterial zur Bemalung an gute Maler zu versenden und diese zu bitten schöne Scenic Shots anzufertigen. Viele sind mit gutem Equipment ausgestattet und können sehr schöne Bilder nebst guter Malqualität liefern. Ich bin sicher, dass sich auch einige Hochkaräter in der Malszene finden ließen, die die Miniaturen auch bemalt zurücksenden würden, solange sie dafür etwas Ruhm und Ehre in Form ihres abgedruckten Namens zum Bild im Buch wiederfinden würden. Dies wäre ein praktisches Vorgehen, dass auch die Community bei der Schaffung eines tollen Produkts einbindet.
Wie spielt sich Warriors of Athena Heroes?
Wer bereits Frostgrave oder Rangers of Shadow Deep gespielt hat, wird sich hier schnell zu Hause fühlen, da sich Warriors of Athena der aus den Grave Spielen bekannten W20 Mechanik bedient.
Beispiel für einen Nahkampf:
Ihr würfelt eine 6 auf einem W20 und habt in der Statline des Charakters einen Fight Wert von 6. Das Ergebnis wird aufaddiert und beläuft sich somit auf 12. Der Gegner hat einen Fight Wert von 2 und erwürfelt eine 7, was ihn nur auf 9 bringt. Euer Wert liegt also höher, womit Ihr einen erfolgreichen Angriff durchgeführt und den Gegner getroffen habt.
Nun wird der Schaden ermittelt. Euer vorher erwürfelter und aufsummierter Wert belief sich auf 12, was nach dem erfolgreichen Treffer nun auch der Höhe des angerichteten Schadens entspricht. Aber der Gegner hat einen Armor Wert von 10. Damit erleidet dieser lediglich die Differenz als Schaden, was, nach dem Abzug von 10 für die Rüstung, zwei Schadenpunkte verursachen würde.
Es wird also einige Situationen geben, in denen Ihr etwas rechnen müssen werdet. Allerdings sickert die Mechanik nach ein paar solcher Ergebnisermittlungen recht schnell.
Eine Runde ist in vier Abschnitte unterteilt. Die Heldenphase, in der sich die Helden und, je nachdem wieviele Spieler mitspielen, ein oder mehr Companions agieren. Danach sind die Kreaturen dran – also alles, was nicht direkt zu Eurer Bande gehört. Anschließend wird die Companionphase gespielt, in der alle übrigen Companions an die Reihe kommen. Den Schluss bildet die Eventphase, in der entweder anhand von Karten Ereignisse gezogen oder neue Kreaturen platziert werden. Richtig, Ihr werdet auf jeden Fall ein Deck herkömmlicher Spielkarten benötigen, mit denen Ereignisse und Beute ermittelt werden.
Figuren können in der Regel zweimal in der Runde mit einer normalen oder einfachen Aktion agieren. Es gibt auch Heldenaktionen, spezielle Fähigkeiten, die ein Held einsetzen kann, ohne dafür eine Aktion aufzuwenden. Es sei denn, es ist explizit in der Beschreibung der Fähigkeit beschrieben, dass dafür eine Aktion aufgewendet werden muss. Pro Charakter kann eine Fähigkeit pro Runde eingesetzt werden, völlig unabhängig davon, ob es sich um einen Helden, einen Companion oder eine Kreatur handelt. Auch wer die Figur im Moment kontrolliert, ist irrelevant. Das bedeutet, man könnte als Spieler eine der gegnerischen Fähigkeiten gegen den Gegner selbst einsetzen, z.B. wenn ein Sohn des Hades die Kontrolle über einen Untoten übernommen hat und damit eine andere feindliche Kreatur angreift. Wie in Frostgrave kann man Lebenspunkte opfern, um im Verhältnis 1 zu 1 das Würfelergebnis zu beeinflussen und damit evtl. einen Erfolg zu erzwingen. Allerdings ist zu bedenken, dass jede erfolgreiche Aktion auch zu Erschöpfung führt, was ebenfalls Lebenspunkte in Anspruch nimmt.
Näher an Rangers of Shadow Deep als an Frostgrave liegen schließlich die Tabellen, die nach dem Szenario zum Tragen kommen, wie erlittene Verletzungen, Auswirkungen und welche Schätze man evtl. im Verlauf seines Abenteuers bergen konnte.
Das Orakel
Ich möchte hier noch kurz auf das Orakel eingehen. Effektiv handelt es sich dabei um einen Spielleiter, so wie er in Rollenspielrunden gängig ist. Dieser ist für das Spiel nicht essentiell, bringt meiner Meinung nach aber eine starke narrative Note mit sich. Auch lassen sich dadurch sogenannte Szenen besser spielen. Das sind Teile des Spiels, die nicht auf der Tabletop Oberfläche, sondern in Konversation miteinander gespielt werden und bei denen, je nach Situation, verschiedene Tests auf Fähigkeiten abgelegt werden. Wollen wir beispielsweise einem Banditenführer nahelegen sein Leben zu überdenken und nochmal als Bauer anzufangen? Kein Problem - ein Test auf den Diplomatie Wert ermöglicht auch das.
Wie geht es weiter?
Northstar Military Figures hat auf deren Facebook Page bereits einige Modelle für Warriors of Athena angekündigt und auch der kommende Release von Plastikbausätzen für Satyrn und Zentauren ist bereits verkündet worden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in Zukunft weitere Bücher dieses Settings sehen könnten, da es sich für einen ganzen Haufen an Szenarien oder Kampagnen anbietet. Wenn Joe und Nick etwas Neues ausprobieren wollen, könnte man sogar in einer Kampagne zusammen mit der Community über das Schicksal einer fiktiven Insel entscheiden. Eben ganz im Geiste hellenistisch angehauchter Abenteuer stehend.
Fazit
Für 25 Pfund, oder in Deutschland für 29,99 Euro, erhaltet Ihr zweifellos ein sehr hochwertiges Produkt, das allerdings mit ein paar Wermutstropfen daherkommt. Die Dopplungen der Scenic Shots und die malerische Qualität der Figuren könnte etwas attraktiver sein. Auch der Preis ist saftig, wenn man bedenkt, dass man eigentlich das zweite Buch, Warriors of Athena Quests, benötigt, wenn man Solospiele austragen möchte, und ebensoviel kostet. Hier sei allerdings erwähnt, dass Heroes im Umfang 128 Seiten hat, während Quests gleich 178 Seiten dick ist. In Anbetracht des Volumens ist der Preis dementsprechend gerechtfertigt, selbst wenn er initial tiefer in die Tasche zu greifen scheint.
Ich glaube, dass man allein mit Heroes auch gute Partien gegeneinander austragen könnte. Da die Reihenfolge der zu aktivierenden Miniaturen nach deren Willenswert ermittelt wird, macht es hier auch Spaß, verschiedene Aufstellungen seiner Bande auszuprobieren. Ich werde diese Vermutung auf die Probe stellen, da sie im Buch zwar nicht explizit erwähnt ist, aber mir irgendwie offensichtlich erscheint.
Basierend auf der zuvor geführten Marketingstrategie und Beliebtheit von Joe McCullough’s Systemen, ist zu erwarten, dass es weitere Publikation zu Warriors of Athena geben wird. Auch bietet sich die Griechische Antike, insbesondere der mythologische Aspekt hervorragend zur Erzählung eigener Geschichten an.
Im nächsten Teil des Reviews werden wir eben diese Seite im Buch Warriors of Athena Quests betrachten.
Warriors of Athena ist ein Spiel von Joseph A. McCullough und im Vertrieb von North Star Figures und Osprey Games.
Das vorgestellte Produkt wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.




















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