chaosbunker.de
10Dez/160

Games Workshop erfindet sich neu?

Den Meisten dürften die teils drastischen Veränderungen bei Games Workshop in den letzten Monaten aufgefallen sein und es scheint, man legt bei dem Übergang sogar noch einen Schritt zu.


Nach wie vor sind viele Leute irritiert von dem Wechsel von Warhammer Fantasy zu Age of Sigmar. Das darf man sicherlich auch sen, wenn man ein Schlachtenspiel mit großen Regimentern möchte. Age of Sigmar ist dann einfach nicht dein Ding. Aber vergesst dabei nicht eins der größten Probleme unseres Hobbies - die recht hohe Einstiegshürde. Und diese hohe Hürde war der Grund für mehr als nur ein System nicht erfolgreich geworden zu sein.

Age of Sigmar ist deutlich kleiner als die älteren Editionen und deutlich flexibler, was die Zusammenstellung der Armeen angeht. Es ist einfacher die Miniaturen aufzustellen, die einem gefallen, anstelle sich durch gequält durch große Regimenter zu malen. Wer ein großes Monster in der alten Edition aufstellen wollte, musste darum eine entsprechende Armee aufstellen. Das fällt mehr oder minder weg. Dieser Kauf-und-Spiel Ansatz spricht Sammler eher an und bringt auch mehr Rechtfertigung mit, da man die Miniatur die man ansonsten nur wegen ihrerselbst gekauft hätte, so auch im Spiel einsetzen kann. Spieltechnisch mag dies einen ganz anderen taktischen Anspruch verfolgen, aber darum geht es hier nicht. Beer & Bretzel gegen Strategiesimulation ist ein Thema für ein anderes Mal.

Und dann sind da diese Sigmarines oder Stormcast Eternals, im Grunde Fantasy Space Marines. Halb 40k sind Space Marines, sie sind einfach ungemein populär. Und das nach Fantasy zu bringen ist einfach ein logischer Schritt. Man erhält "cool", gepanzerte Typen, die zu verschiedenen Ordnen gehören (einer Vielzahl im Fluff oder eben selbstausgedachten), Elitesoldaten und recht simpel zu bemalen.

Games Workshop - Marines!

Das wäre also auf Fantasyseite geschehen. Aber was ist mit Sci-Fi? 40.000 hat Produkte wie Kill Team, welche die Einstiegshürde ebenfalls absenken. Man hat kleine, "kaubare" Portionen Tabletop, einfach zu dosieren und unterstützt durch eine ungemein große Auswahl an Produkten. Die Starterboxen werden kleiner und daher auch günstiger. Kill Team kostet 50 Euro, Storm of Sigmar sogar nur 26 Euro. Erinnert ihr euch was ich in "Nostalgie im Tabletop - Oldhammer" über meine erste Box geschrieben habe? Es war Blood Bowl, da es 50 DM günstiger war als alle anderen und in sich geschlossen. Diese Boxen verfolgen einen ähnlichen Ansatz. Aber man darf an der Stelle eben auch nicht vergessen, es gibt heute deutlich mehr Ablenkungen für die Menschen und quasi alles ist schneller und einfacher erhältlich geworden. In Zeiten von "Casual Games", 24 Stunden Lieferzeiten und dergleichen muss sich auch Wargaming anpassen.

Games Workshop - Kill Team Games Workshop - Storm of Sigmar

Diese Entscheidungen seitens Games Workshop legen die Grundlage für einige Veränderungen in der Szene. In den letzten Jahren hat Games Workshop für viel Bewegung auf dem Markt gesorgt. Die Spieler haben andererorts nach ihrem Glück gesucht. Viele Systeme und Firmen sind gewachsen, aber Wachstum muss man auch verarbeiten können -  und bei vielen skaliert dieses Wachstum nicht bzw. überfordert. Also während die Mitbewerber über ihre neuen großen Füße stolpern, hat Games Workshop die nächste Phase der Entwicklung angestoßen.

Zusätzlich zu der Entwicklung es einfacher zu machen für neue Spieler mit dem Hobby zu beginnen, hat man ähnliche Wege wie Warlord Games und Mantic beschritten. Games Workshop hat sich mit Revell zusammengetan und ist in die Modellbauläden gegangen. Und mit der "Rückkehr" der Brettspiele und geschlossenen Systeme auch in die Spielwarenläden. Das gibt Ihnen die Reichweite, wie zuletzt in den 90ern die Kooperation mit MB Spiele (Heroquest, Starquest, Claymore Saga usw.). Und das war eine gute Entscheidung.

Games Workshop - Warhammer World Games Workshop - Warhammer World Games Workshop - Warhammer World

So Games Workshop fokussiert den (kontinuierlichen) Nachwuchs an Spieler. Das machen sie mehr oder weniger so wieso die letzten 10 Jahre. Aber jetzt hält man ein wachsames Auge auf die "Veteranen", denn zufriedene Kunden sind eine solide Quelle für zusätzlichen Umsatz und kostenlose Werbung. Was meine ich damit? Schaut euch doch nur mal an, was wir die letzten Monate alles bekommen haben. Wir hatten da Produkte wie Genestealer Cult (woohoo!), Blood Bowl (mehr oder weniger auch woohoo!), viel in Richtung Blanche in den Medien und Horus Heresy aus Plastik. Wessen Herz jemals für Warhammer geschlagen hat, da dürfte mindestens eines dieser Themen am Geldbeutel kopfen. Ja, die Produkte haben ihren Preis, aber wer sich an die Originale erinnert, dürfte jetzt alt genug sein sich diese leisten zu können - und wenn's nur der Nostalgie wegen ist -  und ja, sie sind in der Regel trotzdem günstiger als die Originale aus zweiter Hand.

Aber da hört es eben nicht auf. Games Workshop dreht momentan in den sozialen Medien voll auf und ich muss sagen, es macht Spaß sich das anzuschauen. Es gibt einen Youtube Kanal, WarhammerTV, da wird nicht einfach nur von den Neuheiten geschwärmt, aber es gibt wirklich viel Inhalt. Die kurzen Maltutorials sind eine wirklich interessante Sache, einfach verständlich, mit einer Laufzeit von 1-2 Minuten kriegt man die auch bequem irgendwo eingequetscht und die Eigenwerbung hält sich in Genzen. Das kombiniert mit man dann mit tatsächlicher Aktivität auf Facebook oder ihrer ganz neuen Warhammer Community Seite. Als ich das zum ersten Mal hörte, war mein Gedanke, "Oh, weia, das wird wieder so ein Trollfest". Das letzte Mal als Games Workshop das in Angriff genommen hat, ist das ziemlich schnell zu einer Grube für Preisgejammere und Beschwerden geworden. Ja, eine Community zu betreiben ist Arbeit und gar nicht so einfach - wer hätte das gedacht. Aber mit der neuen Communityseite wird sogar ein wenig Einblick gegeben in das was noch kommt, in kontrollierter aber ansprechender Art. Gute Entscheidung an der Stelle.

Warhammer TV Warhammer TV Warhammer TV

Es scheint auch als hätte man im Mitarbeiterhandbuch ein bisschen was getan, da die letzten Besuche in einem Ladenlokal deutlich weniger aufdringlich waren, als in den Jahren davor. Das war eine gute Entscheidung, denn sowas ist ein ungemein nerviges Verhalten im Einzelhandel. Zu dem gibt man sich auch mehr Mühe um den Kunden. Manches ist ein wenig hart, wie die limitierten Space Marine Sachen die direkt für das zigfache wenige Tage später verkauft wurden, aber Kleinigkeiten wie die Space Marine Anstecker oder das Blood Bowl Merchandise, dass man den Läden zum Bewerben gegeben hat, ist einfach grandios (Flaggen, Anstecker, sogar Eintrittskarten). Klar, kein direkter Spielwert, aber einfach ein paar schöne Sammlerstücke.

Warhammer World - Rhino

Zusammengefasst, mir gefällt die Richtung in die es geht. Es ist angenehm zu sehen, dass man sich weiter entwickelt und anpasst. Manche der neuen Produkte sprechen auch mich wieder an und die neue Art und Weise ist deutlich umgänglicher als manches der vergangenen Jahre. Daher habe ich auch wieder weniger ein Problem damit, für ihre Produkte Geld auszugeben. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin, z.B. hat Tabletop Minions sich auch die Zeit genommen, seine Gedanken zur Entwicklung zusammenzufassen. Wie seht ihr die (Ver)Änderungen? Sind sie euch überhaupt aufgefallen? Was hat euch am meisten gefallen? Was würdet ihr euch noch wünschen?

hat dir dieser Artikel gefallen?

Dann abonniere doch diesen Blog per RSS Feed!

Kommentare (0) Trackbacks (0)

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.


Kommentar verfassen

Trackbacks are disabled.