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12Jul/210

Black Hussar Miniatures – Franzosen in Kanada

Auf der Suche nach schönen Figuren für den Franzosen- und Indianerkrieg war ich schon vor einiger Zeit auf den Hersteller Black Hussar Miniatures gestoßen. Besonders viele Hersteller aus Deutschland für historische Figuren im Maßstab 28mm haben wir ja nicht, daher wollen wir diesen Anbieter heute mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Die Modelle lagen hier schon eine ganze Weile und mir tut diese lange Verzögerung auch sehr leid, aber die pandemischen Rahmenbedigungen machten es für uns sehr schwierig, die Modelle angemessen zu fotografieren. Die Bilder zeigen daher auch nicht unbedingt die Qualität, die man sonst vom Chaosbunker kennt. Es war mir schlicht nicht möglich, mit Dennis einen Fototermin zu bestreiten. Für die lange Wartezeit möchte ich mich hiermit ausdrücklich beim Hersteller entschuldigen.

Der Hersteller
Black Hussar Miniatures
wurde 2015 von seinem heutigen Besitzer Sascha und seinem Kumpel Florian gegründet. Die beiden Berliner benötigten für ein eigenes Projekt Miniaturen und da sie nichts Passendes fanden, baten sie einen Bekannten, ihnen entsprechende Figuren zu modellieren. Aus ein paar Testfiguren wurden sehr umfangreiche Reihen für das Königreich Preußen und das Königreich Frankreich im Siebenjährigen Krieg. Die Franzosen wurden auch noch um ein paar Modelle für den kanadischen Kriegsschauplatz erweitert. Die Miniaturen kamen so gut an, dass die beiden beschlossen, sie in einem eigenen Shop zu vertreiben.
Inzwischen ist Black Hussar Miniatures am Markt etabliert, was aber bei historischen Kleinserien nicht bedeutet, dass man davon leben kann. Sascha, der inzwischen das Unternehmen allein leitet, investiert alle Gewinne wieder in neue Miniaturen. Inzwischen ist eine weitere Reihe für die napoleonische Zeit dazu gekommen. Diese – ursprünglich von Westfalia Miniatures ins Leben gerufen – bildet heute das Hauptstandbein, da diese Epoche vor allem international deutlich mehr nachgefragt wird. Aktuell arbeiten drei freie Modellierer regelmäßig an den Serien, sodass diese kontinuierlich erweitert werden.

Die Miniaturen
Black Hussar Miniatures hat uns einige Miniaturen zur Verfügung gestellt, um diese hier auf Herz und Nieren zu prüfen – tatsächlich so viele, dass wir beschlossen haben, dies in mehreren Artikeln zu tun. Es wird sonst der Sache nicht gerecht und entspräche nicht unserem Anspruch. Daher geht es heute erst einmal mit den Modellen los, die sich vor allem für Nordamerika sehr gut eignen, nämlich den Zivilisten und den Compagnies Franches de la Marine.

Uns liegen die folgenden Sets vor:

Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada

Die 5 Soldaten der Compagnies Franches de la Marine

Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada

Die 5 Zivilisten

Beide Sets wurden uns in je einen Kunststoffbeutel geliefert und umfassen jeweils 5 Modelle. Das Set kostet pro Stück 10,00 EUR, die Einzelfigur als 2,00 EUR.

Der Guss ist sehr scharf und überraschend wenige Gusslinien sind vorhanden. Andere Rückstände, die man sonst von Metallfiguren kennt, finden sich hier gar nicht. Das Material ist insgesamt eher rau und sehr fest. Ein Versuch, die Waffen der feuernden Zivilisten mit leichtem Druck zu verbiegen, scheiterte gänzlich. Die Gesichter der Modelle sind ausdrucksstark und unterstützen die dynamischen Posen. Unter den Soldaten findet sich ein Offizier, der ein recht speckiges Gesicht und einen stattlichen Bauchansatz vorweisen kann, was eine angenehme Abwechslung darstellt und ihn auch als Zivilist tauglich macht. Er trägt eine Schärpe, aber so könnte er auch der Anführer einer hastig einberufenen Bürgerwehr sein. Er trägt außerdem einen Dreispitz, während die übrigen Soldaten Lager- oder Wollmütze tragen, ein Soldat zieht mit Schlapphut ins Feld. Die kurzen Mäntel machen die Modelle recht universell für fast alle Jahreszeiten einsetzbar. Neben verschiedener Gepäckstücke tragen die gemeinen Soldaten außerdem alle einen Tomahawk, allerdings keine Messer am Halsriemen. Das ist aber kein Problem, da dies zwar eine gängige Praxis war, aber vor allem bei der kanadischen Miliz und nicht jeder Kolonialsoldat diese Eigenart übernommen haben muss.

Die Zivilisten tragen eine Mischung aus Musketen, Büchsen und Schrotflinten, sind teilweise nur in Weste, teilweise aber auch in Jacke oder Mantel unterwegs. Die Modelle erwecken den Eindruck von Siedlern, die gerade ihre Farmen verteidigen. Die Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Modelle sind aber sehr vielseitig. Der ein oder andere Kämpfer eignet sich auch hervorragend als Minuteman im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg oder als Coureur des Bois, einem kanadischen Waldläufer also.

Der Größenvergleich
Eine nicht zu vernachlässigende Frage ist die nach dem Maßstab der Figuren. Historische Systeme leben vor allem davon, dass man sich bei verschiedenen Herstellern bedienen kann, um an seine individuelle Sammlung zu kommen. Für den Franzosen und Indianerkrieg gehören sicherlich vor allem die Modelle von Warlord Games zu den gängigsten, besonders in Deutschland. Andere namenhafte Anbieter sind Front Rank, North Star Miniatures, Galloping Major, Sash and Saber Castings, Blue Moon Manufacturing, Dixon Miniatures, AW Miniatures und Redoupt Enterprises. Dazu kommen kleinere Serien oder nutzbare Reihen, die nicht direkt für diesen Konflikt gedacht sind. Neben den sehr bekannten Perry Miniatures seien hier noch Crusader Miniatures, 1st Corps und Trent Miniatures genannt. Auch bei Wargames Foundry kann man einiges für den Konflikt finden, auch wenn es hier keine explizite Reihe gibt.
Leider liegen uns für einen Vergleich nicht Modelle aller Hersteller vor. Zur Orientierung lassen sich die Modelle aber grob in drei Gruppen einteilen:

  • Klein: Modelle, die nicht nur von der Höhe her klein sind, sondern auch oft schlanker wirken. Das fällt oft besonders an den Waffen auf. Hier kann man neben Warlord Games vor allem Sash and Saber verorten. Dixon Miniatures neigt zwar zu großen Köpfen, die Modelle haben aber eine sehr geringe Höhe. Wargames Foundry hat keine konsistente Größe, liegt erfahrungsgemäß meist aber irgendwo zwischen der kleinen und mittleren Größe.
  • Mittel: Modelle, die entweder etwas kräftiger sind oder von der Höhe her im Schnitt liegen. Typisch für diese Größe sind Perry Miniatures und AW Miniatures, aber auch Crusader kann man hier noch mit einrechnen. Front Rank bietet zwar keine besonders großen Modelle an, sie neigen aber zu einer gewissen Fülle und erschreckend großen Hüten!
  • Groß: Modelle, die oft deutlich kräftiger und größer sind, als die anderer Hersteller. Der kleinste der Großen dürfte Northstar sein, gefolgt von 1st Corps, während Redoupt Enterprises im Ruf steht, sehr große Modelle anzubieten. Unser vorliegendes Beispiel belegt dies nicht, das mag aber am Modell selbst liegen. Galloping Major korrespondieren allerdings sehr gut mit Redoupt. Blue Moon kommt ebenfalls mit recht hochgewachsenen Modellen daher, die aber eher schlank sind.

Diese Einteilung ist aber wirklich nur eine Orientierung! Das liegt daran, dass eben nicht immer alle Figuren einer Range im gleichen Maßstab gehalten sind. Dies stellt man vor allem bei Warlord Games, Wargames Foundry und Blue Moon fest. Das liegt aber auch daran, dass der Größenunterschied durch die Haltung des Modells nicht so einfach auffällt. Problematisch sind meist die Gewehre. Menschen mögen unterschiedlich groß sein, sie bekommen aber deshalb keine maßgefertigte Waffe!

So viel zur Theorie, kommen wir zurück zu Black Hussar Miniatures und ein paar Vergleichen. Folgende Modelle lagen uns hierfür vor:

  • Warlord Games (ältere/kleinere Range)
  • Warlord Games (größere/neuere Range)
  • Perry Miniatures (aus der AWI-Range)
  • Redoupt Enterprises
  • Dixon Miniatures (allerdings aus der ACW-Range)
  • 1st Corps (allerdings ebenfalls aus der ACW-Range)
  • Wargames Foundry (aus der AWI-Range)

Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada

Von links: Warlord Games (groß), Black Hussar, Warlord Games (klein)

Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada

Von links: Northstar, Black Hussar, 1stCorps

Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada

Von links: Redoupt, 1stCorps, Black Hussar, Northstar

Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada

Von links: Dixon, Black Hussar, Perry

Black Hussar Miniatures - Franzosen in Kanada

Von links: Dixon, Black Hussar, Perry

Was soll ich sagen? Die Figuren sind ein Phänomen. Einerseits wirken auch Dixon und die alten Warlord-Modelle neben ihnen noch glaubhaft, andererseits lässt sich aber auch der ein oder andere Zivilist mit einem Northstar-Modell kombinieren, ohne dass es total schräg wirkt. Bei Northstar kommen die Waffen der Black Hussar Miniaturen langsam an ihre Toleranzgrenze, wirken aber harmonischer, als etwa die der Perry-Miniaturen. Wer also schon Modelle von Northstar hat, kann die mit den hier vorliegenden Zivilisten und Soldaten genauso mischen, wie jemand, der bereits eine Sammlung aus Modellen von Warlord Games sein Eigen nennt.

Fazit
Noch wissen wir nicht, welche langfristigen Folgen der Brexit auf unser Hobby haben wird und da ist es gut zu wissen, dass man auch in Deutschland Anbieter für hochwertige Metallminiaturen im gängigen Maßstab findet. Black Hussar Miniatures überzeugt durch realistische Posen, gutes Material und einen sauberen Guss. Möchte man vor allem Franzosen spielen, kann man seine Sammlung tatsächlich komplett mit den Modellen von Black Hussar Miniatures bestreiten, denn für den Konflikt bekommt ihr dort alles, was ihr braucht. Der Preis von 2,00 EUR pro Miniatur liegt etwas über den meisten anderen Mitbewerbern. Warlord bekommt man für etwa 1,68 EUR, Northstar für 1,76 EUR, Perry Miniatures für 1,89 EUR, Wargames Foundry aber dann schon für etwa 2,35 EUR im deutschen Handel. Bei allen anderen Mitbewerbern kommt man um eine Bestellung im Ausland nicht herum, bei denen die Portokosten erheblich ausfallen können. So muss man in Deutschland für eine Bestellung bei Sash and Saber immerhin 20% des Warenwertes an Porto drauflegen, bis zu einer maximalen Summe von 50.00 GBP. Diese Mehrkosten sorgen dann dafür, dass eine Figur der FIW-Reihe von Sash and Saber für uns immerhin bei 2.25 GBP liegt. Das verschiebt den Preis dann doch wieder. Bedenkt man dann noch, dass man gerade bei bewaffneten Zivilisten eine eher geringe Auswahl hierzulande hat, ist der Preis vollkommen angemessen. Es ist ja auch einmal schön, nicht immer nur die gleichen Miniaturen auf den Spieltischen zu sehen.

Im nächsten Artikel werfen wir einen Blick auf die regulären Soldaten der Franzosen.

Black Hussar Miniatures

Das vorgestellte Produkt wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

 

 

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Autor Info's mit anzeigen Gregor

veröffentlicht unter: Historisch, Reviews Kommentar schreiben
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