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26Jun/150

Bolt Action Ostfront

Nach dem Battleground Europe die Westfront abgebildet hat, veröffentlicht Warlord Games mit dem Kampagnenband Ostfront, die Kämpfe beginnend bei Khalkyn Gol über den Winterkrieg bis hin zum Fall von Berlin, für Bolt Action.

Bolt Action - Ostfront

Warlord Games greift bei den Kampagnenbänden die Theatre Selectors erneut auf, welche bereits aus den Armeebänden bei Bolt Action bekannt sind. Mit 112 Seiten ist Ostfront ein Hauch dicker als Battleground Europe (108 Seiten), und beschäftigt sich mit den Konflikten der Sowjetunion mit den benachbarten Ländern. Angesetzt sind dafür 19,99 GBP bzw. 29,95 USD (~ 25 Euro).

Der federführende Autor des Buchs ist Andy Chambers, welcher nach seiner Zeit bei Games Workshop unter anderem für Dust und Blizzard arbeitet, und seine Expertise über die russischen Streitkräfte in dieses Buch hat einfließen lassen. Und traditionell gibt es natürlich für die Direktkäufer und Vorbesteller eine Bonusminiatur, Steiner aus das Eiserne Kreuz.

Bolt Action - Ostfront special model

Worum geht es?
Ostfront widmet sich den Konflikten zwischen 1939 und 1945, beginnend bei dem Winterkrieg (zwischen Russen und Finnen) und Khalkin Gol (Japanisch-Sowjetischem Grenzkonflikt), über die Operation Barbarossa und den Gegenangriff der Russen bis nach Berlin. Dabei stehen die sowjetischen Truppen im Vordergrund mit wechselnden Gegenspielern in Form des japanischen Kaiserreichs, Finnland und dem deutschen Reich. Dabei sind die Kapital in sich geschlossen und unabhängig spielbar, wobei natürlich Barbarossa, Unternehmen Blau und Zitadelle bis hin zum Fall von Berlin aufeinander aufbauend Sinn machen. Dennoch bleiben die Szenarien einzeln spielbar. Abseits der Kampagnenmöglichkeiten bietet Ostfront umfangreiche Sonderregeln für Schnee, Nacht- und Städtekampf sowie Minen.

Bolt Action - OstfrontErster Eindruck
Die Ostfront ist ein ähnlich epischer Bestandteil der Geschichte des zweiten Weltkriegs wie der Kriegsschauplatz Europa. Warlord Games hat hier mit den bisherigen Werken die Messlatte hochgelegt und bleibt sich weiterhin stabil treu. Die Kombination aus Hintergrund, Regeln und Layout ist durch das Einwirken von Osprey auf gewohnt hohem Niveau und angenehm zu lesen, ohne zu trocken zu sein. Das Buch ist gut gefüllt ohne dabei zu überladen zu sein und in Kombination mit den Armeelisten aus den jeweiligen Völkerbüchern bleibt der Platz auch sinnvoll genutzt.

Das Buch gliedert sich in eine Einleitung, 6 Kampagnenkapitel und einen Appendix mit Szenariosonderregeln. Die Kampagnenteile unterteilen sich wie folgt

  • Khalkyn Gol / Japanisch-Sowjetischer Grenzkonflikt
  • The Winter War / Sowjetisch-Finnischer Krieg bzw. Winterkrieg
  • Operation Barbarossa / Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion
  • Case Blue / Erster Teil der Sommeroffensive 1942
  • Operation Citadel / Schlacht um Kursk
  • Bagration to Berlin / Großoffensive der Roten Armee bis Berlin

Anders als bei Battleground Europe, das relativ linear aufgebaut ist, sind die Kapitel zwar historisch in der korrekten Reihenfolge, springen aber zwischen den Konflikten der sowjetischen Armee von Japan, zu Finnland bis man ab Operation Barbarossa sich dem deutschen Reich gegenüber sieht. Auch Ostfront deckt besondere Charaktere, welche bei Bolt Action als "Legends of …” bekannt sind, ab. Mit dem Band kommen bspw. auch die Regeln für Simo Häyhä (Den weißen Tod). Darüber hinaus gibt es neue Einheiten, allerdings eher generischer Natur, da Ostfront sich verstärkt auf die widrigen Umstände der Gefechte fokussiert. Somit ermöglichen die enthaltenen Regeln etwas anspruchsvollere, komplexere Szenarien die nicht nur den harten Winter auf die Spieltische bringen, sondern darüber hinaus auch die Stadtkämpfe um Stalingrad und Berlin abbilden sollen.

Bolt Action - Ostfront

Ostfront bringt "nur" 12 neuen Szenarien mit (gegenüber 15 in Battleground Europe), dafür aber oben genannte umfangreiche Sonderregeln.

  • Szenario 1 – Cavalry Clash (Khalkyn Gol)
  • Szenario 2 – Stormy, Stormy Night (Khalkyn Gol)
  • Szenario 3 - Assault on the Mannerheim Line (The Winter War)
  • Szenario 4 – Pocketed (The Winter War)
  • Szenario 5 – Bridgehead (Operation Barbarossa)
  • Szenario 6 – Hedgehog (Operation Barbarossa)
  • Szenario 7 – The Volga Crossing (Case Blue)
  • Szenario 8 – Block Busting (Case Blue)
  • Szenario 9 – Pakfront (Operation Citadel)
  • Szenario 10 – Olkhovatka Heights (Operation Citadel)
  • Szenario 11 – Breakout (Bagration to Berlin)
  • Szenario 12 – Battle of Berlin (Bagration to Berlin)

Bolt Action - OstfrontWie spielt es sich?
Bolt Action bleibt ein schlankes Regelsystem, die Szenarienregeln und bestimmte Einheiten verteilen sich zwar auf mehrere Bücher, aber mit Ausnahme des deutschen Reichs, dürfte es für die meisten Armeen genügen neben dem "Armies of " gegebenenfalls den Kampagnenband mitzuführen. Aufgrund des gradlinigen Konzept der Profilwerte und Proben für Bolt Action bringen sich die neuen Einheiten gut ins Gesamtgefüge ein. Die Regeln machen das Spiel härter, was aber auch zur Ostfront passt. Hier hat man es gut geschafft, den gewünschten Effekt einzufangen und im Rahmen der Szenarien bzw. Sonderregeln abzubilden. Viele der Einheiten und Regeln, bringen gerade für die späten / letzten Kriegsjahre neue Optionen mit. Dabei bleibt man aber Bolt "Action", also schon historisch aber nicht 100% authentisch. Dem Spieler gibt man also die Möglichkeit den Einsatz der Nachtjäger mit Vampir-Nachtsichtgeräten, Luftfäusten, Krumlaufgewehren oder IS-3 Panzern sich selbst zu überlassen und nicht nur als fanmade Regeln im Netz zu kursieren.

Eine persönliche Anmerkung zu Bolt Action an der Stelle. Grundsätzlich ist Bolt Action ein Spiel, dass sich kompetitiv einsetzen lässt und das mit den entsprechenden Absprachen (Late / Early War, Max. Anzahl Würfel und Restriktion von Flammenwaffen) sogar sehr gut schafft, dennoch ist es für meine Begriffe eher für Kampagnenwochenenden als für Turniere eignet.

Wie geht es weiter?
Der dritte Kampagnenband zu Bolt Action wird Germany Strikes werden und sich mit den frühen Kriegsjahren und den Überfällen auf Polen, Dänemark und Norwegen und den späteren Blitzkrieg gegen Westen abdecken. Danach soll Empire in Flames – The Pacific folgen, der wenig verwunderlich die Konflikte in (Süd-)Ostasien abdecken wird. 2016 soll mit Konflikt 47 ein Weird War / Alternative Events Ableger von Bolt Action erscheinen. Allerdings nicht als Zusatzband sondern eigenes Regelwerk, basierend auf Bolt Action. Die Kooperation von Osprey und Warlord Games dürfte dann noch um Clockwork Goblin ergänzt werden. Für Bolt Action selbst dürfte dann noch eine Nordafrika / Italien / Mittelmeer Erweiterung kommen.

Bolt Action - Ostfront

Fazit
Auch bei Ostfront ist Warlord Games der nächste Schritt gelungen. Durch die zahlreichen Zusatzregeln ist man auf der einen Seite zwar sehr erfreut über neue Inhalte und Möglichkeiten, aber man kommt auch schon langsam in Grenzgebiete, dass es vielleicht etwas viel werden könnte. Gerade für Spieler des deutschen Reichs, die an vielen Fronten und Konflikten beteiligt waren, streuen sich die Inhalte deutlich breiter. Dennoch ist das Buch mit 20 Pfund nicht zu teuer und bietet auf den 112 Seiten reichlich ansprechendes Layout, neue Informationen und Anregungen für kommende Spiele. Da sich mit Andy Chambers auch der Autor des Sowjet-Buchs an den Kampagnenband gesetzt hat, hat man hier auch einen kompakten Einblick in den Konflikt.

Das man auf 112 Seiten natürlich die 3 Konflikte in aller Tiefe abbilden kann, ist klar, hat aber auch den Vorteil dass es den Spieler nicht überfordert. Wer die Flames of War Kampagnenbücher kennt, ist hier etwas mehr Informationen zum Konflikt und auch Kartenmaterial gewohnt / verwöhnt, das ganze kommt allerdings auch deutlich teurer als die 20 Pfund für das Bolt Action Softcover. Bolt Action will einsteigerfreundlich bleiben, was es auch schafft. Wer sich darüber hinaus zu den Konflikten und Kampagnen informieren möchte, findet zahlreiche Informationen online aber auch bei Osprey.

Bolt Action ist eine Marke von Warlord Games und wird in Deutschland u.a. über Radaddel vertrieben.

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