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20Mai/200

Oldhammer – Recasts erkennen

Wer auf eBay oder in den Handelsgruppen nach gebrauchten Miniaturen sucht, hat grundsätzlich ein niedriges Risiko auf Nachgüsse bzw. Recasts zu stoßen, zumindest bei normalen Modellen die in Regimentern die Reihen und Glieder füllen und einstellige Eurobeträge wert sind. Aber manche Modelle sind eben etwas seltener und stärker gesucht, was dann zu Preisen von 30 EUR, 50 EUR oder deutlich darüber für eine einzelne 28mm Miniatur auf dem Gebrauchtmarkt führt. Aber die Nachfrage und eben auch der Wille solche Preise zu zahlen, sorgt dann dafür, dass auch Betrüger versuchen von dieser Marktsituation zu profitieren.

Die Oldhammer-Projekte über die ich hier sporadisch Bericht erstatte, primär 2. Edition von Warhammer 40.000 soweit mit ein bisschen Realm of Chaos, ist mein persönliches Risiko eher gering. Ich habe die meisten Miniaturen hier entweder im Blister gekauft oder aus vertrauenswürdigen Quellen aus zweiter Hand. Als ich für das 40k Space Marine Projekt die Legion of the Damned gekauft habe, denkt man natürlich auch an Veteran Sergeant Centurius. Die Miniatur war nur für einen sehr kurzen Zeitraum 1996 erhältlich, zur Eröffnung des 100. Games Workshop Ladenlokals im Vereinigten Königreich. Ich bin mir nicht sicher, ob es nochmal weitere Veröffentlichungen für ähnliche Veranstaltungen in den Staaten oder Europa gab. Aber die Miniatur ist folglich selten und ein Original, idealerweise neu im Blister, bringt gerne 50 bis 70 EUR auf dem Markt. Ich war auch überrascht, dass die Preise unter 50 EUR gefallen sind.

Oldhammer - Legion of the Damned Centurius eBay

In einer Auktion fand ich ein Exemplar für unter 20 GBP zum Sofortkauf, da er nicht im Blister war und auch das Rückenmodul fehlte. Ich hatte beim Verkäufer weitere Bilder angefragt und der Guss war nicht der schärfste, aber okay, weshalb ich zugeschlagen hatte. Als die Miniatur dann hier ankam war aber deutlich, es war nicht nur ein mittelmäßiger Guss sondern sehr wahrscheinlich ein Nachguss / Recast.

Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius

Wie komme ich nun zu der Annahme? Darum geht es in diesem Artikel, ein paar der Merkmale zu nennen an denen man einen Nachguss erkennt bzw. identifizieren kann und damit verhindert, einen solchen zu erwerben.

Zinnfiguren werden im Schleudergussverfahren gegossen, mit Gussformen aus vulkanisiertem Kautschuk (hier ein paar Bilder aus der Produktion von Warlord Games und Mantic Games). Das flüssige Zinn wird mit einer Kelle in der Mitte eingegossen und dann durch die Fliehkraft in die zweiteilige Gussform gedrückt. Das Zinn kühlt ab und kann dann aus der Form genommen werden. Da die Gussform aus zwei Scheiben besteht, haben gegossene Miniaturen entlang dieser Verbindungsfläche der beiden Scheiben einen Gussgrat und manchmal auch Häutchen.

Warlord Games - Behind the scenes 2013 Warlord Games - Behind the scenes 2013 Mantic Games Studio 2018

Diese Gussformen nutzen sich aber mit der Zeit ab, weshalb Gussgrate und auch die Schärfe der Details je nach Charge unterschiedlich stark ausfallen können und nicht jeder schlechte Guss ein Nachguss sein muss. Die Original werden aber vom Master abgeformt und sollten daher nur einen Gussgrat entlang der Außenlinie der Miniatur haben. Nachgüsse haben häufig doppelte Gussgrate, da sie zum einen nicht vom Master sondern einer bereits gegossenen Figur abgeformt werden und es auch sehr unwahrscheinlich ist, dass die Gussform wie die des Originals geschnitten ist. Kurz um, doppelte Gussgrate sind eines der sichersten Merkmale um Nachgüsse zu identifizieren.

Schauen wir uns aber Centurius mal an, um zu sehen wie sowas ausschaut. Ich habe die Bereiche noch einmal hervorgehoben um zu zeigen, wo die Veränderungen und Detailverluste durch das Abformen entstanden sind. Nachgüsse sind häufig von minderer Qualität, verglichen mit den "professionell" gegossenen Modellen (Professionell ist immer noch relativ, selbst in großen Miniaturen ist Zinnguss immer noch Handarbeit), die mit der entsprechenden Erfahrung und anständigem Maschinen produziert werden.

Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius
Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius

Die Zähne des Kettenschwerts sind hier fast zugegossen und auch die Oberkante des Schwerts ist etwas verzogen und deutlich weicher gezeichnet als es beim Original der Fall wäre. Ähnlich sind auch die Details am Handgelenk und den Schulterpanzern nicht so scharf, wie sie es sein sollten. Der Blick von oben auf das Modell zeigt entlang den Schultern ganz deutlich die doppelten Gussgrate, was der deutlichste Hinweis ist, dass es sich um einen Nachguss handelt.

Verwaschene Details wie z.B. hier am Helm an der Hüfte, sollte man sich auch genauer anschauen. Manchmal ist es gerade bei älteren Miniaturen auch mal ein beschädigtes Bit, wie es schon mal beim Entfärben oder Umbauen passieren kann, aber insbesondere wenn diese quasi nur entlang der Gussgrate vorkommen und der Rest des Modells wieder scharfe Details hat, sollte man hellhörig werden.

Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius

Manchmal wird auch ein fehlendes "Slab" (also der Steg an den Füßen der Miniaturen) auch als Indikator genommen, dass es ein Nachguss ist. Das würde ich so nicht verallgemeinern, da genügend Miniaturen gestiftet werden um auf ein gestaltete Modelle gesetzt zu werden und dann der Slab abgeschnitten wird. Das gleiche Argument gilt auch für verbogene Stege. Das hat man früher so gemacht, damit das Modell stabil in der Slottabase stand. Am ehesten ist aber ein unsauber gegossener Slab ein Merkmal für einen Nachguss. Das gilt aber auch nur bei entfärbten / nicht bemalten Miniaturen, da auch dickere Farbe oder Kleberreste bei bemalten Miniaturen ähnlich aussehen.

Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius Oldhammer - Legion of the Damned Veteran Sergeant Centurius

Bei den richtig alten, vor-Slotta Citadel Miniaturen ist sicherlich auch die Farbe des Zinns ein Indiz ob es ein Nachguss ist, oder nicht. Bei anderen ist das kein verlässliches Merkmal, da durch Mail Order Teileservice und die jüngsten Made-to-Order Optionen einige Miniaturen aus den späten 80ern bis in die 00er produziert wurde und somit auch alte Modelle in White Metal oder anderen Legierungen gegossen wurden. Die Champions des Chaos oder einige Eldar Modelle sind hier gute Beispiele für Miniaturen die so über zwei Dekaden erhältlich waren. Manche Grundierungen, Entfärben und Nachbehandlungen mit Drahtbürste / Schleifpapier können zu dem auch Farbveränderungen beim Zinn erzeugen.

Das oben genannte gilt natürlich primär für Zinnminiaturen. Ein anderes Material, abseits von der Umstellung von Zinn auf Finecast, ist ein ganz deutlicher Hinweis. Durch die Osteuropäischen und Chinesen Raubkopierer wird mittlerweile auch Forge World (durch die hohen Preise und "Verluste" in der asiatischen Produktionsstätte) und sogar Plastik nachgegossen. Also sollte man hier genauer schauen, wenn Elysianer oder Eventminiaturen zu oft oder zu niedrigeren Preisen als sonst angeboten werden.

Wenn ihr euch nicht sicher seid, ist es immer eine gute Idee jemanden um Hilfe zu bitten. Ich kann hier die Oldhammer und Middlehammer Gruppen, je nach Miniaturengeschmack empfehlen, die euch helfen können um Miniaturen zu identifizieren und deren Echtheit zu bestätigen. Bei den Preisen hilft auch ein Blick in die Oldhammer Identification and Valuation Gruppe, hier gehört es zum guten Ton sich auch nach erhaltener Hilfe zu bedanken.

Eine zuverlässige Bewertung ist eigentlich nur unbemalt möglich. Bei Nachgüssen ist es üblich, dass diese einzeln, ohne Blister und unbehandelt verkauft werden. Vielleicht auch mal grundiert, aber eher nicht bemalt, da dies den Preis senken und nur zusätzliche Kosten bei der Herstellung verursachen würde. Neben Centurius der häufig nachgegossen wird, sind andere Miniaturen bei denen man vorsichtig sein sollte u.a.:

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Autor Info's mit anzeigen Dennis B.

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