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27Mai/260

Stargrave – The Last Prospector

Nachdem wir Quarantine 37 behandelt haben, wenden wir uns der zweiten vollständigen Erweiterung für Stargrave zu: The Last Prospector aus dem Jahr 2022. Während Quarantine 37 stark auf Science-Fiction-Horror setzte, schlägt The Last Prospector eine völlig andere Richtung ein – den Space Western.

Stargrave - The Last Prospector

Worum geht es?

Der Einstieg erfolgt über eine abgefangene Nachricht. Ein alter Kontakt, bekannt nur als der Prospektor, hat im Honereb-System etwas Großes entdeckt: ein heruntergekommenes Geflecht aus Asteroidenminen am Rand eines vergessenen Spiralarmes. Er will dich beteiligen. Als deine Crew eintrifft, ist der Prospektor jedoch verschwunden.

Es folgt eine Kampagne mit zehn Szenarien, in der ihr euren verschwundenen Kontakt aufspürt und gleichzeitig die Politik eines Systems navigiert, das niemand freiwillig besuchen würde. Das Honereb-System wird von fünf Fraktionen geprägt, jede mit eigener Agenda:

  • Pa, die mysteriöse Autorität auf der verfallenden Penthalia-Station – niemand weiß, ob Pa eine Person, ein Rat oder ein Computer ist
  • Das Honera-Kollektiv, eine halbsozialistische Organisation auf einem Dschungelplaneten mit strengen Grenzkontrollen
  • Die Gliders, eine Piratenbande mit Basis auf einem aufgegebenen Erzfrachter namens Saint Mollia
  • United Minerals Incorporated, ein Vorkriegsunternehmen, das inzwischen faktisch eine Diktatur ist
  • Die Freeholders League, unabhängige Asteroidenminenarbeiter, die ihre Ressourcen zum Überleben bündeln
  • Die Darksiders, eine geheimnisvolle, robentragende Gruppe im dritten Asteroidengürtel, die kaum jemand versteht und die die meisten lieber meiden

Joseph A. McCullough nennt seine Einflüsse offen. Der Space Western hat eine lange Tradition: George Lucas griff darauf für die Mos-Eisley-Kantine zurück, Joss Whedon machte daraus eine kurze, aber prägende TV-Serie, und der britische Film Outland verlegte High Noon in eine Bergbaukolonie mit Sean Connery. Für Tabletop-Fans reichen die Referenzen noch weiter: BraveStarr, The Mandalorian, die gesamte Bildsprache der Grenzregion im All. Das Honereb-System ist genau daraus gebaut und steht offen zu diesen Einflüssen.

Erster Eindruck

Mit 98 Seiten entspricht The Last Prospector dem Umfang von Quarantine 37 und bleibt in der Produktionsqualität auf dem gleichen Niveau wie der Rest der Reihe. Die Illustrationen setzen stark auf Frontier-Ästhetik – Staub, Rost und die harten Konturen von Menschen, die lange ohne Sicherheitsnetz leben mussten. Es passt klar ins Stargrave-Universum und fühlt sich dennoch deutlich anders an als die Horror-Atmosphäre von Quarantine 37.

Der Inhalt gliedert sich wie folgt:

  • Kapitel 1: Einführung
  • Kapitel 2: Neue Hintergründe und Fähigkeiten (Investigator, Fatewinder, 8 neue Kräfte)
  • Kapitel 3: Neue Soldaten (Striker, Bruiser, Engineer, Terrain Expert)
  • Kapitel 4: The Last Prospector Kampagne (Hintergrund, Kampagnenregeln, 10 Szenarien)
  • Kapitel 5: Fortgeschrittene Technologie
  • Kapitel 6: Bestiarium (9 neue Kreaturen)

Auffällig ist vor allem der Anspruch der Kampagnenstruktur. McCullough wollte bewusst von linearen Erzählungen weg, und The Last Prospector ist bis dahin sein komplexestes Design innerhalb von Stargrave. Gleichzeitig bleibt es zugänglich genug für Gruppen, die einzelne Szenarien unabhängig spielen möchten.

Der Übergang vom Grundkonzept von Stargrave zum Space Western wirkt völlig stimmig. Die „verwüstete Galaxie“ von Stargrave war schon immer ein Grenzraum ohne zentrale Autorität – The Last Prospector macht diesen Aspekt deutlich und baut die Kampagne konsequent darauf auf.

Stargrave - sci-fi wargames in the ravaged galaxy

Wie spielt es sich?

Die Erweiterung führt zwei neue Kampagnenmechaniken ein:

Die erste ist der Investigation Score. Jedes geborgene Beutemarker erhöht die Gesamtpunktzahl, wobei Informations- und Geheimnis-Marker jeweils einen zusätzlichen Punkt bringen. Die Crew mit dem höchsten Wert bestimmt nach jedem Szenario das nächste. Das schafft echte strategische Entscheidungen: Wählt man ein Szenario, das einem selbst Vorteile bringt, oder eines, das dem Gegner schadet? Punkte können zudem im Finale für Boni eingesetzt werden.

Die zweite Mechanik ist der Fraktionsruf (Faction Standing). Jede Crew startet bei null und verändert ihren Ruf durch Aktionen im Spiel. Bei Werten von 3 und 6 werden Boni freigeschaltet, etwa Zugang zu medizinischer Versorgung, Spezialmärkten oder zusätzlichen Erfahrungspunkten. Wichtig: Man kann nicht bei mehr als einer Fraktion gleichzeitig einen Ruf von 6 oder höher haben – politische Entscheidungen werden also erzwungen.

Zusammen sorgen diese Systeme für eine nicht-lineare Kampagne, die gut zum Genre passt. Statt einer festen Story bestimmen die Spieler ihren eigenen Weg durch das System.

Die neuen Soldatentypen erweitern die Möglichkeiten sinnvoll:

  • Der Striker ist ein Nahkampfspezialist mit hoher Mobilität und Durchschlagskraft
  • Der Engineer reduziert Kosten für Schiff-Upgrades und Reparaturen um 20%
  • Der Terrain Expert zählt praktisch immer als in leichter Deckung auf Distanz
  • Der Bruiser ist kostenlos, kann nicht schießen und dient hauptsächlich als „Kanonenfutter“

Auch die neuen Captain-Hintergründe passen gut ins Setting. Der Investigator agiert als Informationsbeschaffer mit passenden Fähigkeiten, während der Fatewinder Wahrscheinlichkeiten beeinflusst und sich auf Initiative, Positionierung und Schadensvermeidung konzentriert – ein bisschen wie Doctor Strange. Beide eröffnen neue Crew-Konzepte.

Wie geht es weiter?

The Last Prospector ist die zweite von sechs Erweiterungen. Die übrigen sind:

Wir werden uns in den kommenden Monaten mit den restlichen Erweiterungen befassen.

Stargrave - The Last Prospector

Fazit

The Last Prospector ist die bislang ambitionierteste Erweiterung für Stargrave. Das Space-Western-Thema ist nicht nur oberflächlich, sondern prägt die gesamte Kampagnenstruktur mit Fokus auf Freiheit, Eigenverantwortung und Politik im Grenzraum. Die neuen Systeme bringen strategische Tiefe, ohne das Spiel zu überladen.

Für Hobbyisten bieten neue Soldaten und Hintergründe viele Möglichkeiten, eigene Crew-Ideen umzusetzen, und alle Inhalte funktionieren sowohl in Kampagnen als auch im Solo- oder NPC-Spiel. Im Vergleich zu Quarantine 37 ist hier ein klarer Entwicklungsschritt im Design erkennbar.

Egal ob deine Referenz Firefly, The Mandalorian, BraveStarr oder ein einsamer Sean Connery auf einem Asteroiden ist – ein Besuch im Honereb-System lohnt sich.

The Last Prospector ist als Softcover für 20 GBP oder als E-Book für 16 GBP bei Osprey erhältlich.

Stargrave ist eine Marke von North Star Figures und Osprey Games.

Das vorgestellte Produkt wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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Autor Info's mit anzeigen Dennis B.

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