Graal Miniatures – Marius Mules Legends of Rome
Wir hatten Graal Miniatures Anfang des Monats bereits kurz vorgestellt und heute befassen wir uns mit der Infanterie aus dem aktuell laufendem Kickstarter, der Römer im 32mm Maßstab abbildet. Dazu liegen uns ein paar der Charaktere in Blistern und eine Einheit aus einem der Boxed Sets vor.
Obwohl Graal Miniatures über ihren Patreon auch digitale Produkte anbietet, deckt das Crowdfunding rein physische, in Resin 3D-gedruckte Modelle ab, die für Spielsysteme wie Saga: Age of Caesars, Hail Caesar oder Swordpoint angedacht sind.
Aber erst einmal zur Einordnung, denn Römer sind im Tabletop schon eine ziemliche Bank und werden im 25-32mm Maßstab bereits von zahlreichen Herstellern angeboten, u.a. aus Zinn und auch Plastik. Aber Römer ist nicht gleich Römer. Wir werden das jetzt etwas vereinfacht kurz anschneiden, damit wir euch eine schnelle Orientierung geben, ohne hier eine mehrere Bände umfassende Masterarbeit daraus zu machen. Vereinfacht spricht man bei Rom von einem Zeitraum von 509 v.Chr. bis 476 n.Chr. (gemeint ist primär das Weströmische Reich, da das Oströmische Reich bzw. Byzanz noch bis 1453 bestand). Das entspricht einer Spanne von rund 1.000 Jahren, wobei wir die Königszeit vor der Römischen Republik hier mal außen vor lassen.
Die Römische Republik von 509 bis 27 v.Chr. teilt sich noch einmal in drei Epochen: die Frühe Republik, in der Rom schrittweise Italien eroberte, die Mittlere Republik mit den Punischen Kriegen und der Expansion im Mittelmeerraum, sowie die Späte Republik, in die u.a. Caesar, die Römischen Bürgerkriege, die Marianischen Heeresreformen und der Gallische Krieg fallen. Schon diese drei Phasen zeigen Unterschiede in Rüstung und Bewaffnung der Soldaten. Auf die Republik folgte die Römische Kaiserzeit (27 v.Chr. bis zur Reichsteilung in West und Ost 395 n.Chr.), in der das Römische Reich 117 n.Chr. seine größte Ausdehnung erreichte. Danach folgt die Spätantike bis zum Ende des Weströmischen Reichs 476 n.Chr. Noch einmal vereinfacht kann man im Tabletop aber grob in Republican Romans und Imperial Romans gliedern, was optisch die deutlichsten Unterschiede ausmacht. Davon abzugrenzen sind noch die Late Romans der Spätantike, die wiederum ganz anders aussehen.
Um euch die markanten Unterschiede in Rüstung und Design aufzuzeigen, habe ich hier zwei Illustrationen von Peter Dennis nebeneinandergestellt. Links Römische Legionäre der Republik, rechts der Kaiserzeit. Zur Zeit der Republik sieht man die Montefortino-Helme, das Kettenhemd (Lorica Hamata) und einen ovalen Schild. In der Kaiserzeit wurde das durch Helme mit breitem Nackenschutz, Kettenhemden, Schuppenpanzer bzw. die Schienenrüstung (Lorica Segmentata) und rechteckige Schilde abgelöst.
Marius' Mules fokussiert sich auf die Zeit um die Schlacht von Arausio (105 v.Chr.) zum Ende des 2. Jahrhunderts vor Christus und ordnet die Miniaturenrange damit in die Späte Republik ein. Mit Figuren wie Julius Caesar deckt die Range aber auch die spätere Phase der Republik ab. Der Name spielt übrigens auf die Spottbezeichnung "muli Mariani" an, da die Soldaten des Marius ihr Gepäck selbst tragen mussten. Für diese Zeitspanne gibt es im Bereich 25 bis 28mm bereits Modelle aus Plastik und Zinn. Aber beginnen wir mit dem eigentlichen Review.
Einzelmodelle werden in Blistern angeboten, das deckt Offiziere und namhafte Charaktere der Epoche ab. Die Miniaturen sind dabei in kleinen Tütchen in Clamshell-Blistern verpackt, mit gestaltetem Inlay, auf dem alle relevanten Herstellerangaben zu finden sind. Der QR-Code leitet euch zum Linktree von Graal Miniatures weiter.
Die Miniaturen sind im 32mm Maßstab gehalten. Selbst bezeichnet als Heroic Scale, den ich eher als True Scale einordnen würde. Die Druckqualität ist sehr hoch und die Modelle sind bereits weitestgehend bereinigt. Sie sind gecured und von über 90% der Supports befreit. Hier und da können sich noch kleinere Ansätze finden. Der Aufwand, diese zu bereinigen, liegt etwa beim Entgraten einer Zinnfigur.
Die Bilder hier sind auf einer Schneidmatte mit 1 cm Raster entstanden, um euch einen Eindruck der Details zu geben.
Laut Quentin handelt es sich um ein ABS-like Resin, dem ein gewisser Anteil an Flex-Resin beigemischt wurde, was z.B. bei den Speeren und Stangen für die notwendige Flexibilität sorgt. Die Druckqualität ist imposant, im zweiten Bild seht ihr den Vergleich zu einem Modell, das auf einem Anycubic Mono 4K gedruckt wurde.
Wir bauen gemeinsam ein paar der Charaktermodelle zu Fuß: Julius Caesar, Gaius Norbanus und Gaius Marius.
Die Modelle haben in der Regel mindestens eine behelmte Option für den Kopf und häufiger auch unterschiedliche Arme, sodass man ihnen entweder eine eher kriegerische oder "heldenhafte" Pose geben kann. Auch hier sieht man die hohe Produktionsqualität. Bei Julius Caesar besticht der sehr detaillierte Brustpanzer, dazu gibt es sogar drei Optionen für den Kopf.
Gaius Norbanus war nicht nur Politiker, sondern auch aktiver Befehlshaber. Als Volkstribun war er 103 v.Chr. an der Anklage gegen Caepio beteiligt, einen der Verantwortlichen für die Niederlage bei Arausio, später führte er als Konsul Truppen im Bürgerkrieg gegen Sulla. Entsprechend wird er nur in kriegerischer Pose gezeigt, hat aber zwei Optionen für den Kopf, mit und ohne Helm, sowie einen detaillierten und einen blanken Schild.
Der Dritte im Bunde ist auch Namensgeber des Kickstarters, Gaius Marius. Er hat die übliche Auswahl an Köpfen sowie einmal ein bewaffnetes Armpaar und einmal eines mit Schreibwerkzeug.
Bei den Boxen muss man auf die Labels achten. Die Verpackung selbst ist nicht auf den jeweiligen Inhalt individualisiert, aber schön gestaltet mit Glossy-Finish. Die Einzelteile sind in Luftpolsterfolie eingepackt und drumherum noch einmal schön in rotes Seidenpapier mit Aufkleber verpackt.
Die Einzelteile selbst sind noch einmal in Tütchen sortiert. Wir haben hier das Set der Republican Roman Legionaries, aus dem wir eine gemischte Einheit bauen werden.
Das Set umfasst 8 Modelle, inkl. Kommando aus Centurion, Signifer und Tubicen. Dabei sind Standartenträger und Musiker einteilige Modelle, die keinen weiteren Zusammenbau benötigen. Auch hier ist die Druckqualität sehr hoch und die Kettenhemden fallen natürlich.
Der Centurion hat die Wahl zwischen vier verschiedenen rechten Armen, entweder mit Pilum oder Gladius. Er trägt zudem einen anderen Helm mit breiter Helmzier. Die regulären Legionäre haben zwei unterschiedliche Helmdesigns, einmal mit Rosshaar und einmal mit Federschmuck. Beides gehört zu den Republikanischen Römern, wobei die Federn, insbesondere drei aufrecht stehende, den Hastati und Principes zugeordnet werden und vor allem zur Epoche der Mittleren Republik gehören. Auch die Legionäre haben die Wahl zwischen Gladius und Pilum.
Einer der Köpfe hatte einen Druckfehler, was aufgrund des "Überflusses" an Köpfen aber kein Problem darstellt. Das ist auch der einzige Fehler, der mir bei diesem Review aufgefallen ist. Die Modelle haben zudem noch Gladii und leere Schwertscheiden für den Gürtel, sowie Schilde in unterschiedlichen Designs, mit und ohne gestaltete Front. Grundsätzlich sind die Modelle voll modular, aber es gibt Posen, die natürlicher bzw. dynamischer aussehen als andere.
Wir haben hier eine gemischte Truppe mit unterschiedlicher Bewaffnung und Optionen aus dem Set gebaut. Den Modellen liegen keine Bases bei, ihr seid hier also komplett flexibel in der Wahl. Die Modelle ließen sich ohne größeren Aufwand auf die Bases kleben, da die Füße anständige Klebeflächen bieten, ohne Balancieren oder übertriebene Laufbewegungen.
Der Größenvergleich mit Victrix (2. von links) und Warlord Games (2. von rechts) zeigt zum einen die klare 32mm-Linie, stellt aber auch die Eigenbezeichnung Heroic Scale in Frage, da Graal Miniatures deutlich realistischere Proportionen mit sich bringt. Wie eingangs erläutert, sehen wir hier auch den Unterschied in der Rüstung des Imperial Romans von Victrix neben den Republican Romans von Graal und Warlord Games. Ein Mischen dürfte selbst auf Armlänge etwas seltsam aussehen.
Und hier zum Abschluss noch einmal die verschiedenen Modelle in der Nahaufnahme.
Fazit
Marius' Mules ist eine ungemein (hoch)wertig produzierte Miniaturenreihe. Sie ist durchgestaltet, von den Blistern und Verpackungen bis zur Kampagne selbst, die mit thematisch stimmigen Designelementen die Stretchgoals und den Gedanken hinter dem Produkt darlegt. Man merkt hier deutlich, in welchem designlastigen Umfeld Quentin sonst arbeitet. Auch hat er sich für das Fulfillment einen anständigen Partner gesucht, denn die Druckqualität ist top. Die Miniaturen waren nicht "sticky" und es gab keine Short Cuts bei der Nachbereitung der Drucke. Das ist super und nicht selbstverständlich.
Römer sind aufgrund ihrer Popularität im historischen Tabletop und der vermeintlich breiten Einsatzmöglichkeiten (ich hatte sie mal als die Space Marines des historischen Wargamings bezeichnet) eine naheliegende Wahl, der Markt ist allerdings auch stark gesättigt. Es gibt zahlreiche Anbieter, die teils seit den frühen 90ern (z.B. Foundry) Modelle anbieten, und Plastikbausätze u.a. von Warlord Games, Victrix und Wargames Atlantic, die das Modulare bereits abbilden. Und das ist hier die größte Herausforderung: Hätte sich Graal Miniatures z.B. die Thraker herausgesucht, wäre die Range spitzer positioniert und hätte weniger Wettbewerb, aber auch potenziell weniger Abnehmer. So muss man sich entweder durch Produktqualität oder Preis deutlich von den anderen abgrenzen.
Die Modelle sind toll gestaltet, richten sich mit ihrem Detailgrad meiner Meinung nach aber eher an Maler als an Spieler. Der Preis ist für das, was man bekommt, fair. 59 EUR im Pledge für 17 Modelle, die "von Hand gefertigt" werden, muss man eher mit Zinn vergleichen, und da schlägt z.B. Foundry für ein 2,5 Sets semi-monopose Zinnmodelle mit ~40 GBP zu Buche, Warlord Games läge bei ca. 50 EUR in Zinn bzw. SpinCast Resin. Das ist also vergleichbar bepreist. Die Problematik ist allerdings der Vergleich mit Kunststoff, bei dem wir ebenfalls modulare Modelle erhalten, aber zu deutlich günstigeren Konditionen. Warlords Caesar's Legion liegt bei 30 EUR UVP für 24 Modelle inkl. Kommando oder Victrix, die 60 Modelle für 40 EUR UVP anbieten. Beide Sets sind relativ niedrigschwellig im Tabletop-Einzelhandel zu erstehen.
Vom ästhetischen Anspruch her wirken die Modelle von Graal Miniatures aber deutlich natürlicher, und auch dass die Arme unter den Schultern im Kettenhemd angesetzt werden, sorgt für einen schöneren Übergang als bei den Plastikmodellen der Mitbewerber, die üblicherweise den harten 90°-Winkel am Torso gewählt haben. Aufgrund dieser Punkte sehe ich die Miniaturenreihe von Graal Miniatures eher für Systeme mit überschaubarem Miniaturenbedarf wie Saga und kleiner, da sich hier der Detailgrad und der höhere Preis pro Modell besser schlagen. Für 3.000 Punkte Hail Caesar wird man vermutlich auf Plastik greifen oder ggf. darauf warten, ob bzw. dass die Modelle als STLs zum Selbstdruck erscheinen.
Der Kickstarter wurde bereits nach drei Tagen gefundet und läuft noch bis zum 7. November 2026.
- Produktionsqualität: 4/5
- Design: 4/5
- Optionen: 4/5
- Preis-Leistungs-Verhältnis: 3/5
- Zusammenbau: 4/5
Marius Mules ist ein Produkt von Graal Miniatures.
Das rezensierte Produkt wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.




























































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