Warhammer Colour – Teil 1
Diesen Beitrag habe ich 2019 zum Start der Contrast-Farben geschrieben. Seitdem ist im Farbregal von Games Workshop so viel passiert, dass eine Überarbeitung fällig war: deutlich mehr Contrast-Töne, neu angemischte Shades und seit März 2026 ein neuer Name für das komplette Sortiment - Warhammer Colour.
Der Name Citadel begleitet Games Workshop schon seit den frühen Tagen, als die Firma eher Verlag und Vertrieb war als Miniaturenhersteller. Unter dem Label liefen Figuren (damals neben Marauder und ein paar weiteren Miniaturenreihen), aber eben auch Farben und Pinsel. Glazes, Technicals und Co. waren noch Zukunftsmusik, trotzdem haben sich die ersten Farbtöpfe bei vielen genauso eingeprägt wie die Zinnfiguren selbst.
Wer sich für die Anfänge interessiert, kommt an Mike McVey nicht vorbei, der das Bemalstudio und 'Eavy Metal maßgeblich geprägt hat. Auf Realm of Chaos 80s gibt es ein lesenswertes Interview mit ihm, in dem auch die ersten Citadel-Farben in ihren hohen, runden Töpfen zu sehen sind. Diese Topfform lebt bis heute bei Coat d'Arms weiter. Oft wird behauptet, Coat d'Arms habe die Citadel-Farben damals produziert. Das stimmt so nicht: Hergestellt hat sie HMG Paints aus Manchester, und Black Hat Miniatures hat die Rezepturen aus dieser Zeit später für die eigene Coat-d'Arms-Reihe übernommen. Falls euch die Töpfe bekannt vorkommen, obwohl ihr damals noch gar nicht dabei wart: Auch das P3-Sortiment von Privateer Press und Wargames Foundry nutzten diese Bauform.
Schon damals gab es mehr als nur deckende Farben. Neben Klassikern wie Goblin Green (jahrzehntelang die Farbe für den Baserand), Chaos Black, Skull White oder Snakebite Leather, das 2019 als Contrast-Farbe zurückkam, gab es die Inks. Diese flüssigen, stark pigmentierten Farben waren ideal für Schattierungen und Washes und genießen bis heute fast Kultstatus. Die ersten Inks kamen noch in kleinen Tropfflaschen, wanderten aber schnell in die normalen Töpfe mit schwarzem Deckel. Und ein Topf hatte damals noch 20 ml Inhalt.
In den 90ern folgten die sechseckigen Töpfe mit Klappdeckel. Die Namen blieben, das Sortiment wuchs. Weiße Deckel standen für normale Farben, schwarze für Metallics und blaue für die Inks. Man bekam sie einzeln oder im Set, und gerade die Startersets mit acht Farben, einem Metallton, einer Ink, Pinsel sowie einem Space Marine und einem Chaoskrieger aus Plastik dürften viele noch vor Augen haben. Meine beiden Figuren aus diesem Set stehen tatsächlich immer noch hier, und der Chaoskrieger gehört zu meinen allerersten bemalten Miniaturen. Selbstverständlich mit Base in Goblin Green!
Wer genau diese Ära noch einmal auf dem Basteltisch haben möchte, muss übrigens nicht mehr auf eBay nach halb eingetrockneten Töpfen suchen. Warcolours, eine kleine Farbmanufaktur aus Zypern, hat mit Nostalgia '94 die Citadel-Palette aus der Zeit der Sechseck-Töpfe nachgebaut. Los ging es 2023 mit den zehn Farben aus dem damaligen Farbset und ein paar Glazes, inzwischen umfasst die Reihe 75 Töne samt Washes und Metallics, dazu Sets für einzelne Armeen der Roten Phase. Statt Töpfen gibt es allerdings 17 ml-Tropfflaschen für 3,50 Euro. Stahly hat auf Tale of Painters die Farben getestet, und sie kamen die Farben ziemlich nah an die Originale heran, und zwar mit allen Eigenheiten von damals: sehr kräftige Töne, aber eher dünn, mit schwacher Deckkraft und einem fast seidenglänzenden Finish. Moderne Deckkraft darf man also nicht erwarten, aber für Oldhammer-Projekte, bei denen Goblin Green einfach Goblin Green sein muss, ist das genau das Richtige. Für die Jahre davor und danach gibt es bei Warcolours übrigens auch Nostalgia '88 und '98.
Ende der 90er kamen neue Töpfe aus Hartplastik, unten durchsichtig, oben mit schwarzem, geriffeltem Schraubdeckel, und der Inhalt schrumpfte auf 12 ml. Lange hielt das nicht: Im Gewinde trocknete die Farbe an, die Deckel schlossen nicht mehr sauber, und entweder war die Farbe irgendwann hin oder der Topf ließ sich gar nicht mehr öffnen. Anfang der 2000er wurden die Schraubdeckel deshalb wieder gegen Klappdeckel getauscht.
2007 und 2008 kamen dann zwei neue Kategorien ins Sortiment. Zuerst die Foundations, kurz darauf die Washes, die gewissermaßen die Nachfolge der Inks antraten. Die Inks verschwanden dafür aus dem Programm. Beide neuen Reihen steckten in kegelförmigen Töpfen mit Klappdeckel, die Foundations mit weißem und die Washes mit schwarzem Deckel. Die Foundation-Farben waren richtig dick und deckten häufig schon nach dem ersten Auftrag. Einige Töne waren wirklich gut, aber Pigment und Trägerflüssigkeit trennten sich gerne. Mit Agitatorkugeln ließ sich das etwas abfangen, nur war die Farbe so zäh, dass sie gerne mitsamt Kugel festtrocknete.
2012 folgte der große Schnitt. Games Workshop warf die bisherigen Töpfe raus, wechselte den Zulieferer und baute die Palette komplett neu auf, mit 145 Farben und durchweg neuen Namen. Über die Gründe wurde viel spekuliert, etwa über Streit um die Namen oder darüber, dass der Zulieferer die Rechte an den Rezepturen hielt. Plausibel ist vor allem, dass Games Workshop Namen haben wollte, die sich als Marke schützen lassen. So wurde aus Goblin Green zum Beispiel Warboss Green und aus Blood Red wurde Evil Sunz Scarlet. Eins zu eins übertragen ließ sich die alte Palette damit nicht, und die Vergleichstabelle aus dem White Dwarf half nur bedingt, weil manche Töne mehrfach zugeordnet waren. Wer mitten in einem Armeeprojekt steckte, hatte damit ein echtes Problem, und einige sind damals zu anderen Herstellern gewechselt. Wer alte Farben über Coat d'Arms nachkaufen möchte, sollte bedenken, dass deren Zuordnung für die Farben vor 2000 gedacht ist. Vieles passt, aber nicht alles, und gerade die Washes sind keine Inks im klassischen Sinne.
Im Juni 2019 kam dann Citadel Colour Contrast. Zum Start gab es 34 Farben, dazu das farblose Contrast Medium und mit Wraithbone und Grey Seer zwei Sprühgrundierungen, die auf die neuen Farben abgestimmt waren. Das Prinzip ist simpel: Eine Schicht über heller Grundierung färbt die erhabenen Flächen ein und läuft gleichzeitig dunkler in die Vertiefungen, Grundfarbe und Schattierung entstehen also in einem Rutsch. Platz im Regal machten dafür die Glazes. Wie die Farben auf den verschiedenen Grundierungen wirken, haben wir damals in Teil 3 gezeigt.
Im Sommer 2022 hat Games Workshop dann ordentlich nachgelegt. 25 neue Contrast-Töne kamen dazu, außerdem wechselten Hexwraith Flame und Nighthaunt Gloom von den Technicals zu Contrast. Einige der neuen Farben sind deutlich bunter, und nicht alle verhalten sich wie die erste Generation: Manche zeigen einen schwächeren Contrast-Effekt und eignen sich eher für glatte Flächen. Gleichzeitig wurden sämtliche Shades neu angemischt, damit sie sich sauberer in die Vertiefungen setzen und die erhabenen Stellen weitgehend in Ruhe lassen. Sieben neue Shades waren auch dabei. Beide Reihen gibt es seitdem in 18-ml-Töpfen, die Shades hatten vorher 24 ml. Dazu kam mit White Scar eine strahlend weiße Sprühgrundierung. Die Farbübersicht des Warhammer Stores in Chelmsford, die alle Contrast-Farben auf insgesamt sieben Grundierungen zeigt, findet ihr in Teil 4.

Wer heute vor dem Farbregal steht, hat die Wahl zwischen Base, Layer, Shade, Contrast, Dry, Technical und Airbrush-Farben, jeweils mit eigener Deckkraft und Konsistenz, je nachdem, wie man malt. Die schnelle Variante kennt man noch aus den Anfangstagen von The Army Painter: Grundfarben drauf, Shade drüber, eventuell kurz trockenbürsten, fertig. Mit Contrast auf heller Grundierung geht es noch schneller. Wer es aufwendiger mag, arbeitet mit Zwei-Farben-Grundierung und baut Licht und Schatten in mehreren dünnen Schichten auf. Und für Schnee, Rost oder rissigen Boden gibt es Technicals, für die man früher noch Tutorials aus dem Modellbau wälzen musste.
Die jüngste Änderung betrifft ausgerechnet den Namen, um den sich dieser Artikel dreht. Seit dem 6. März 2026 heißt Citadel Colour offiziell Warhammer Colour. An den Farben selbst ändert das nichts, Rezepturen, Farbnamen und Sortiment bleiben, wie sie sind. Nur Etiketten und Zubehör werden nach und nach umgestellt. Nachdem aus den Games Workshop Stores schon die Warhammer Stores geworden sind, verschwindet damit wieder ein Stück alter Markengeschichte. Diesmal muss zum Glück niemand seine Farbrezepte umschreiben wie 2012, aber wer mit Citadel-Töpfen und Citadel-Blistern groß geworden ist, wird den Namen trotzdem ein bisschen vermissen.
Neben den Farben gab es über die Jahre auch zahlreiche Malanleitungen, allgemeine für Citadel-Miniaturen und spezielle, etwa für Space Marines. Gerade die ganz alten Ausgaben lohnen sich, denn viele Tipps darin funktionieren auch nach über 35 Jahren noch. Mit etwas Glück stolpert man auf einem Tabletop-Flohmarkt oder bei eBay über eine günstige Ausgabe, und für Fans der Roten Phase ist das ein schönes Stück Hobbygeschichte.
Games Workshop ist natürlich längst nicht der einzige Anbieter. Viele Miniaturenhersteller haben eigene Farben im Programm, und wie bei Mantic Games oder Warlord Games stecken auch hinter The Army Painter ehemalige Games Workshop Leute. Angefangen hat The Army Painter mit drei Dips, heute gibt es dort Farben, Washes und Grundierungen in allen Varianten. Als Gegenstück zu Contrast kam Speedpaint, das 2023 als Speedpaint 2.0 überarbeitet wurde, und seit Ende 2023 gibt es mit Warpaints Fanatic zusätzlich eine besonders stark pigmentierte Reihe. Hersteller aus dem klassischen Modellbau setzen dagegen eher auf mattere, gedeckte Töne, die gut zu historischen Fahrzeugen und Soldaten passen. Was für die Farben von Games Workshop spricht, ist vor allem, dass man sie fast überall bekommt und im Laden direkt ausprobieren kann. Das bieten nur wenige unabhängige Läden.
Noch ein Rat, der mir am Herzen liegt: Es gibt günstigere Farben, und manche davon findet man in jedem Spielwaren- oder Modellbauladen. Macht trotzdem einen Bogen um Enamel- bzw. Emaillefarben. Vor fast 30 Jahren stand ich als Teenager selbst vor dem Regal und dachte, das wird schon reichen. Der erste Pinselstrich mit richtiger Acrylfarbe war danach eine echte Offenbarung, und in diese unbefriedigende Phase des Malens möchte ich nie wieder zurück. Spart euch diesen Umweg und startet direkt mit vernünftigen Farben.
Zum Weiterlesen: Talk Wargaming hat einen Artikel zur Umstellung der Citadel-Farben, Tale of Painters blickt in einer Retro-Review auf die Range von 1998 bis 2012 zurück und hat auch die neuen Contrast-Farben von 2022 ausführlich getestet. Warhammer Community hat die Contrast-Erweiterung 2022 und die Umbenennung in Warhammer Colour vorgestellt.
So weit zur Geschichte von Citadel bzw. Warhammer Colour. Den Warhammer Tone Pro Sampler mit 18 Farben und einem Medium haben wir bereits hier, und im nächsten Artikel geht es genau um diese Farben und ihre Anwendung.
































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