Stargrave – Hope Eternal
Wir haben euch bereits die Reviews zu Quarantine 37 und The Last Prospector geliefert. Jetzt wenden wir uns der dritten Erweiterung für Stargrave zu: Hope Eternal, erschienen 2022. Während die vorherigen Erweiterungen das kompetitive Spiel mit neuen Kampagnenstrukturen ausgebaut haben, schlägt Hope Eternal eine völlig andere Richtung ein: Es ist eine reine Solo- und Koop-Erweiterung und zugleich der bislang erzählerisch ambitionierteste Teil der Stargrave-Reihe.
Worum geht es?
Alles beginnt mit einem routinemäßigen Datenraub. Ein anonymer Auftraggeber will Zugriffscodes zu einer Gefangenendatenbank auf einem abgelegenen Planeten. Standardarbeit für eine unabhängige Crew. Doch was folgt, ist alles andere als Routine.
Die befreiten Gefangenen verfügen über Informationen zu einem geheimen Treffen zweier großer Piratenflotten – genau jener Flotten, die die Ravaged Galaxy seit dem Letzten Krieg in dauerhafte Dunkelheit stürzen. Irgendwo in einem verlassenen System befindet sich eine Raumstation, die darauf ausgelegt ist, Supernova-ähnliche Ereignisse auszulösen. Wenn es einer Crew gelingt, sie zu betreten, zu aktivieren und lebend zu entkommen, könnten beide Flotten in einem einzigen Moment ausgelöscht werden.
Hope Eternal ist eine lineare Kampagne mit zehn Szenarien, aufgeteilt in drei Akte. Teil Eins behandelt den ursprünglichen Auftrag, zwei waghalsige Gefangenenbefreiungen und eine verzweifelte Flucht. Teil Zwei schickt die Crew auf die Suche nach dem letzten überlebenden Operator der Raumstation, lässt sie einen Schlüsselcode auf einem der unwirtlichsten Planeten des Subsektors beschaffen und ein seltenes Mineral auftreiben, das die Station zur Waffe macht. Teil Drei dreht sich um die Infiltration selbst – das Entern der Station, die sich als weniger verlassen herausstellt als gedacht, das Neustarten des Computers, das Übergehen von Sicherheitsprotokollen und das Auslösen des Experiments, bevor die Piraten begreifen, was geschieht. Die letzte Frage ist, ob die Crew dem Explosionsradius entkommen kann.
Joseph A. McCullough nennt offen seine Inspirationen: die ursprüngliche Star-Wars-Trilogie, Terminator, Der Herr der Ringe und Jack Campbells Lost Fleet-Romane. Ebenso klar ist, dass dies das erste Mal ist, dass er Stargrave mit Crews in einer explizit heroischen Rolle schreibt. Ob sich das stimmig anfühlt, hängt von der eigenen Perspektive ab. Eine pragmatischere Sicht ist, dass dieser moralische Rahmen vor allem strukturell dient, denn er gibt der Solo-Kampagne eine klare Richtung und verhindert, dass sie zu einem ziellosen Ablauf ohne Einsätze wird. Die Crews mögen rau sein und nicht davor zurückschrecken, nebenbei Credits einzustecken, aber die Kampagne braucht ein starkes Ziel und „zerstöre die Piratenflotten“ ist überzeugender als die meisten Alternativen.
Erster Eindruck
Hope Eternal erscheint als Softcover mit 96 Seiten – genauso umfangreich wie die anderen Kampagnenerweiterungen. McCullough betont durchgehend, dass die visuelle Umsetzung vollständig den Spielern überlassen bleibt: Die Fotos zeigen Spieltische mit gängigen Geländestücken, und nichts im Buch verlangt einen bestimmten Stil. Düster-industriell funktioniert genauso gut wie bunt und pulpig.
Der Inhalt gliedert sich wie folgt:
- Einleitung
- Kapitel 1: Solo- und Koop-Spiel
- Kapitel 2: Kampagnenübersicht
- Kapitel 3: Hope Eternal Kampagne - Teil Eins (Szenarien 1–3)
- Kapitel 4: Hope Eternal Kampagne - Teil Zwei (Szenarien 4–7)
- Kapitel 5: Hope Eternal Kampagne - Teil Drei (Szenarien 8–10)
- Kapitel 6: Epilog
- Kapitel 7: Neue Regeln (Unterwasser, Hohe Strahlung)
- Kapitel 8: Neue fortgeschrittene Technologie
- Kapitel 9: Bestiarium (13 neue Kreaturen)
Auffällig ist vor allem der eigenständige Anspruch des Buches. Man benötigt lediglich das Grundregelwerk, keine weiteren Erweiterungen. Alle kampagnenspezifischen Charaktere, Kreaturen und Technologien sind enthalten. Für Neueinsteiger oder Spieler, die frühere Erweiterungen ausgelassen haben, ist Hope Eternal damit ein vollständiger Einstieg ins Solo-Spiel.
Dass keine neuen Hintergründe oder Soldatentypen enthalten sind, fällt auf, ist aber keine Schwäche. Das Bestiarium, die neue Technologie und die beiden Umweltregelsätze liefern genug Inhalte. Besonders die Kreaturen decken viele Szenarien ab – von der giftigen Agivorus-Schlange über den berittenen Horat-Barbaren bis hin zur radioaktiven Abscheulichkeit und dem Slaverbot.
Wie spielt es sich?
Die Regeln für Solo- und Koop-Spiele basieren auf einer angepassten Zugreihenfolge: Captain-Phase, First-Mate-Phase, Kreaturen-Phase, Soldaten-Phase. Der entscheidende Unterschied zum kompetitiven Spiel besteht darin, dass die gegnerischen Figuren vor deinen Soldaten aktiv werden, was den Druck während des gesamten Spiels aufrechterhält. Captains und First Mates aktivieren jeweils zwei statt drei Soldaten pro Phase, können diese Soldaten jedoch von überall auf dem Tisch auswählen, anstatt durch die Nähe eingeschränkt zu sein – eine kleine, aber bedeutende Änderung, die neue taktische Möglichkeiten eröffnet.
Im kooperativen Spiel können sich zwei Spieler entweder eine einzige Crew teilen oder jeder eine halb so große Crew aufstellen, die um einen entsprechend hochgestuften Kapitän herum aufgebaut ist. Die Option der halb so großen Crew gibt beiden Spielern die gleiche Kontrolle über ihre Streitkräfte, was gut zum Format passt.
McCullough hatte zuvor bereits Solo-Regeln für Quarantine 37 und die ursprüngliche Version von Dead or Alive verfasst. Es lohnt sich, den Kontext rund um das ursprüngliche Dead or Alive zu betrachten: Es erschien 2021 als kostenloses PDF, als direkte Reaktion auf die Lockdown-Phase und die Notwendigkeit, die Spieler bei Laune zu halten, als es unmöglich war, Gegner zu finden. Die erste Version war bewusst schlank gehalten, um den Spielern schnell etwas Nützliches an die Hand zu geben. „Hope Eternal“ baut auf dieser Grundlage auf, mit einer besser ausgearbeiteten Prioritätenliste für feindliche Kreaturen und einer Kampagnenstruktur, die speziell auf das Einzelspieler-Erlebnis zugeschnitten ist, anstatt aus dem Wettkampfformat adaptiert zu sein. Die bedeutende Erweiterung von „Dead or Alive“ im Jahr 2024, die eine vollständige Einzelspieler-Kampagne und deutlich mehr mechanische Tiefe hinzufügte, ist die logische Fortsetzung dieses Entwicklungsbogens.
Die beiden neuen Umweltregeln sorgen für echte Abwechslung in der Kampagne. Die Unterwasserregeln decken Bewegung, Springen, Fallen, Schwimmen, Fliegen, Kämpfen und Schießen mit eigenen Modifikatoren ab – genug, um aquatische Szenarien sinnvoll anders wirken zu lassen, ohne ein separates System einzuführen. Die Regeln für hohe Strahlung sind einfacher, aber ebenso effektiv: Strahlungszonen verursachen bei jeder Aktivierung zusätzlichen Schaden, und die neue Ausrüstung „Radiation-Skin“ bietet den einzigen vollständigen Schutz.
Die Tabelle für fortgeschrittene Technologien enthält zwanzig neue Gegenstände, von denen einige ihren Weg in den regulären Kampagnengebrauch finden werden. Der Miracle Shot ist eine einmalig einsetzbare Absicherung gegen den dauerhaften Verlust eines Captains oder First Mates. Das Oncadian Exoskeleton sorgt für zusätzlichen Nahkampfschaden und verleiht das Attribut Never Wounded, wenn es unter der Rüstung getragen wird. Die Matter Whip zwingt Gegner, die Beute tragen, ihren Spielstein fallen zu lassen und zieht ihn zum Benutzer hin. Der Mindstone und der Mystical Text geben Psionikern bzw. Mystikern einen Vorrat an Anstrengungspunkten, die nicht von ihrer eigenen Gesundheit abgezogen werden – eine sinnvolle Verbesserung der Spielqualität für kampfstarke Crews.
Was kommt als Nächstes?
Hope Eternal ist die dritte von sechs Erweiterungen. Es folgen:
- Side Hustle – Kartendeck mit Nebenmissionen
- Bold Endeavour – Regeln für Raumschiffe als Basis
- Dead or Alive – bereits behandelte Einzelspielerregeln, welche 2024 stark erweitert wurden
- Death Vector – bringt Terminator- und Cyberpunk-Elemente ins Spiel.
- Accetable Losses – erscheint im November 2026
Die verbleibenden Erweiterungen werden in den kommenden Monaten behandelt.
Fazit
Hope Eternal ist derzeit die geschlossenste und erzählerisch stärkste Erweiterung der Reihe. Die Solo- und Koop-Regeln funktionieren gut, die Kampagne hat echten Spannungsbogen, und die Zusatzinhalte bieten auch unabhängig davon viel Mehrwert.
Der bewusst gewählte heroische Ansatz gibt der Solo-Erfahrung die nötige Richtung und Anreiz. In einer düsteren Spielwelt sorgt ein klares Ziel für Motivation – besonders ohne menschlichen Gegner. Ob man es als Star-Wars-inspiriertes Abenteuer oder als pragmatische Söldnergeschichte sieht, bleibt Geschmackssache – die Kampagne funktioniert in beiden Lesarten.
Gerade für Solo-Spieler bleibt Hope Eternal Pflichtlektüre, selbst mit der verfügbaren Ergänzung durch Dead or Alive als eigene Erweiterung.
Für etwa 20 GBP (Softcover) oder 16 GBP (digital) ist es eine lohnende Ergänzung. Es ist ein weiteres Buch für Stargrave, welches einfach abliefert.
Stargrave ist eine Marke von North Star Figures und Osprey Games.
Das vorgestellte Produkt wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.















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